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Absender Thema: Leserbrief von Jörg Lange zum Abriß und Gedächtnisprotokoll einer Bewohnerin
ande
Administrator
13.01.2004
Leserbrief zum Abriss der Kasernengebäude auf dem Vaubangelände!
mit der Bitte um Veröffentlichung! Danke!

Von keiner Seite widersprochen wurde den folgenden Tatsachen:

1. Die 3 Kasernengebäude sind in einem baulich guten Zustand und
erhaltenswert.
2. Es fehlt in Freiburg und auch und gerade auf Vauban an bezahlbarem
Wohnraum.
3. Bezahlbarer (sozialer) Wohnungsbau ohne Förderung, z.B. durch ein
Erbbaurecht bei den Grundstückspreisen (> 400EUR/m2) auf Vauban kaum oder gar nicht finanzierbar ist.

Nun wird behauptet, das Projekt Drei5Viertel hätte es nicht geschafft.

Dabei wird unterschlagen, daß erst zum Gemeinderatsbeschluß am 9. Dezember die Genossenschaft Drei5Viertel überhaupt erst soweit war rechtskräftig eingetragen zu sein und damit erst in der Lage die schwierige Aufgabe der gleichzeitigen Finanzierungszusage für Sozialen Wohnungsbau, Eigentum und genossenschaftlichen Mietwohnungsbau überhaupt erst in Angriff nehmen zu können. Das bedeutet trotz aller anderslautenden Behauptungen die Zeit für ein solch finanziell anspruchsvolles Projekt war trotz der zweimaligen Fristverlängerung der Stadt, mehr als knapp bemessen.

Doch das Entscheidene ist:

Ungeachtet der Spekulation, ob es die Genossenschaft Drei5Viertel bei einer weiteren Fristverlängerung nicht doch noch geschafft hätte, das fast Unmögliche möglich zu machen, schiebt die Stadt Freiburg mit Ihrer Argumentation "Drei5Viertel hätte es trotz Verlängerung nicht geschafft" den Schwarzen Peter den Falschen zu und verschleiert damit Ihr eigenes Versagen.

Denn sie hat es nicht vermocht:

1. Eine angemessene Nutzung für die 3 gut erhaltenen Gebäude zu finden.
2. Sie hat keinerlei Anstrengungen unternommen Alternativen zu Drei5Viertel zu entwickeln und zu prüfen.
3. Sie hat städtebaulich immer so gehandelt als hätte es die alten Kasernen gar nie gegeben. Nur so lassen sich Grundstückspreise, die Hereinnahme der Flächen in die Entwicklungsmaßnahme und vieles mehr erklären. Zum Schluß sei an Haus 7 und 8 erinnert, die bereits vor 6 Jahren abgerissen wurden. Hier erinnern noch Jahre danach die Flächen (Ecke Wiesentalstr./ Merzhauserstr.), für die bis heute kein Investor gefunden werden konnte, schmerzlich an diesen Fehler. Angesichts der steigenden Studentenzahlen auch nicht erklärbar.

Ein kleiner Skandal ist das schon, finde ich!

Mit den besten Grüssen,

Jörg Lange

Jörg Lange
Forum Vauban e.V.
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D-79100 Freiburg
Tel. 0761-45683334
Fax 0761-45683337
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Gedächtnisprotokoll einer Vauban-Bewohnerin, die den Besetzern von Haus 053 morgens am 13.1.2004 um 7:30 Kaffee bringen wollte.

"Wir waren fünf von denen, die am Abend vorher in der SPD-Fraktionssitzung nochmal die Dringlichkeit der Erhaltung der Kasernen für den sozialen Wohnungsbau nahebringen wollten und die um eine Verlängerung der Frist vor dem Abriß gebeten haben.

Ausgemacht war: Treffen um 7:30 Uhr, für einige war es vor der Arbeit, um mit den Besetzern vor Ort Kaffee zu trinken, vor dem Gebäude am Feuer im Regen.

Plötzlich kamen (etwa gegen 8 Uhr) sehr schnell sehr viele Polizisten mit Stiefeln, Helmen, Schlagstöcken und Hunden auf das Haus zu. In Windeseile hatten sie das Labyrinth aus Zaunelementen entfernt und sagten uns fünf verdatterten Menschen, daß wir uns nicht mehr entfernen dürften.

Wir hatten inzwischen – fast in Panik – versucht, andere Leute per Handy zu erreichen, was wir kaum schafften, da wir keine Telefonnummern dabeihatten und uns teilweise gar nicht kannten.

Es folgte die Aufnahme der Personalien, dann mußten wir zum Fotografieren und zur Leibesvisite (Abtasten) ins Haus, was wir gar nicht vorgehabt hatten. Dort waren die anderen - gerade aus dem Schlaf aufgeschreckten - Besetzer, denen es genauso ging wie uns. Null Aufforderung, das Haus zu verlassen, null Vorwarnung, vielmehr sofort eine Ausweiskontrolle und Abgabe aller persönlichen Habseligkeiten: In meinem Fall ein Kamm, eine Haarbürste, drei Papiertaschentücher und ein Schlüsselbund (Wohnungs- und Fahrradschlüssel) sowie zwei Kugelschreiber, leider kein Ausweis.

Die echte Überraschung kam erst jetzt: Abtransport in einem fensterlosen, niedrigen kleinen Lieferwagen mit mehreren Kabinen, zum Revier Süd. Vorne zwei oder drei Polizisten (man konnte sie nicht sehen), in der Mitte eine verzweifelte junge Frau, alleine in der fensterlosen Kabine und hinten wir drei.

Dort angekommen: nochmalige Aufnahme der Personalien, das Personal "entspannter" als vor Ort, wo die Behandlung sehr unterschiedlich war: Freundlich, verständnisvoll bis zu völlig ungeduldig und vielleicht überfordert.

Weitere erkennungsdienstliche Maßnahmen aller Art: Nochmals fünf Fotos in verschiedenen Positionen und Fingerabdrücke (alle Finger beider Hände). Ich fand meine Fingerabdrücke sehr schön.

Alles in höflicher, freundlicher Atmosphäre: Büro-Normalität.

Ich war im Spannungsfeld: Soll ich mich kriminalisiert fühlen, ungerecht behandelt oder sagen: Ist nicht so tragisch.

Jetzt, mit einigen Stunden Abstand ist es mir im Bauch nicht mehr so hohl wie heute früh, als ich mich einer übermächtigen Gewalt ausgeliefert sah. Nach wie vor bin ich tief beeindruckt von der Fahrt in diesem fensterlosen, mit Metall verkleideten Auto. Ich erinnerte mich an Bücher von Verschleppungen in Südamerika, die Zeit kam mir endlos vor, sehr bedrückend und fühlte mich ohnmächtig. Ähnliche Situation auf der Toilette, in der ich war, ohne die Möglichkeit, die Tür selber zu öffnen. ich mußte warten, bis ein Beamter Zeit hatte, auf mein etwa 5-10maliges, wildes Klopfen die Türe zu öffnen. Die Gefahr, durchzudrehen, war für mich groß.

Gut getan haben mir die jungen Leute, die den Aufenthalt in dieser zooartigen Großzelle fast witzig genommen hatten. Sie haben Affen gespielt und sind an den Gittern herumgeklettert und waren – so schien es – gut drauf, haben absurde Witze gerissen.

Ich frage mich, ob soviel ängstliche Aufmerksamkeit und Aufwand für absolut arglose Menschen, die für eine vertretenswerte Sache einstehen, wirklich nötig ist.

Soweit ich es gesehen habe, wurde bei der ganzen Aktion weder Widerstand geleistet noch wurden Menschen verletzt noch Sachen zerstört.

Ich halte solche Aktionen für Geld- und Zeitverschwendung und es macht mich sehr nachdenklich über die Prioritäten in unserem Staat – bzw. in unserer "suferen" Stadt. Anscheinend ist doch genug Geld da.

Ich wäre der ersten Aufforderung zum Verlassen des Geländes sofort nachgekommen, aber es gab keine Aufforderung. Die ganze Aktion dauerte für uns vier bis sechs Stunden. Unter uns waren einige, die nicht rechtzeitig zur Arbeit kamen.

Ich bin nach wie vor traurig, daß die Kasernen nun irgendwelchen Null-Acht-Fünfzehn-Bauten weichen sollen.

H. M., 62 Jahre, Bewohnerin des Vauban
aufgenommen am 13.1.2004, ca. 15:00 Uhr

 
08.02.2012, 17:07 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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