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Absender Thema: BZ: Sieben AKW-Mitarbeiter verstrahlt
ande
Administrator
31.01.2004
Badische Zeitung vom Freitag, 30. Januar 2004

Sieben AKW-Mitarbeiter verstrahlt
Die Kraftwerksdirektion in Fessenheim schweigt Störfall vom Wochenende tot / Informationspolitik stößt auf harsche Kritik

Von unserem Korrespondenten Michael Neubauer

FESSENHEIM. Nach einem Störfall im Atomkraftwerk Fessenheim haben sieben Mitarbeiter am Wochenende radioaktive Verstrahlungen erlitten. In Baden-Württemberg und im Elsass wird jetzt Kritik an der Informationspolitik der Kraftwerksdirektion laut.

Am Samstag gelangte durch einen Fehler eines Mitarbeiters Harz in das Wasser des Primärkreislaufs vom Reaktorblock I und verstopfte mehrere Filter. Beim Auswechseln der Filter seien am Samstag vier und am Sonntag drei weitere Mitarbeiter verstrahlt worden. "Sie haben Wasserdampf inhaliert und erlitten dadurch eine leichte innere Kontamination", sagte die Sprecherin des AKW, Anne Laszlo. Die Strahlenbelastung liege bei bis zu 0,45 Millisievert. "Das ist so viel wie ein Patient beim Röntgen seiner Lunge abbekommt". Am Sonntagabend sei wegen der Verschmutzung des Wassers Block I abgeschaltet worden.

Die sieben Mitarbeiter des Stromkonzerns Electricité de France (EDF) wurden vom medizinischen Dienst des AKW betreut und abgeduscht. "Die innere Kontamination wird durch Schwitzen und Urin, also über die natürlichen Wege ausgeschieden", sagte Laszlo. Alle Männer seien am Montag wieder zur Arbeit erschienen. "Wir haben im Jahresdurchschnitt sieben Fälle solcher leichteren Kontaminationen, jetzt passierten leider sieben an einem Wochenende."

Die Medien wurden erst am späten Mittwochabend von der Abschaltung und den Verstrahlungen durch einen Informationsbrief des AKW unterrichtet. Die Informationspolitik der Kraftwerksbetreiber wird inzwischen heftig kritisiert. "Eine Kontamination wird man nicht so einfach nur durch Pinkeln wieder los", sagt Jean-Paul Lacôte vom BUND in Freiburg. Er spricht von einer "skandalösen Verharmlosung des Vorfalls". "Hier werden eindeutig ernste Vorfälle heruntergespielt und offensichtlich Falschinformation betrieben."

Ein Störfall dieser Art ist erstmals in Fessenheim passiert und wurde in der internationalen siebenstufigen Bewertungsskala INES mit der Stufe Null versehen. Für Pierre Schmitt von der lokalen Überwachungskommission des Kernkraftwerks Fessenheim ist das zu niedrig. "Es handelte sich immerhin um den Primärkreislauf, das ist ein ernsthafter Vorfall." Schmitt bezeichnet den Unfall als "symptomatisch" in der Kernenergie, die trotz aller Störfallszenarien immer wieder überrascht wird: "Die meisten Zwischenfälle in den vergangenen drei Jahren in Fessenheim waren menschliche Fehler bei Routinearbeiten."

Verstimmung löste die Informationspolitik auch im Regierungspräsidium in Freiburg aus. Nach einer grenzüberschreitenden Vereinbarung sind unvorhergesehene Abschaltungen innerhalb von 24 Stunden zu melden. Das ist zwar geschehen - Freiburg wurde am Montagmittag vom AKW informiert. Von den Verstrahlungen war aber nicht die Rede: "Wenn wir von den Verletzten gewusst hätten, hätten wir Rücksprache gehalten und die deutschen Medien informiert", sagte Pressesprecher Albert Schelb.

Für Erstaunen sorgte auch die Sprachwahl im Elsass: "Es ist schwer nachzuvollziehen, dass der Vorfall ähnlich sei, wie wenn ein Handwerker sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt. Wir würden das nicht so verharmlosen, " so Schelb. Jetzt soll der Vorfall beim kommenden Treffen des Präsidiums mit der Präfektur Anfang März zur Sprache gebracht werden.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de
 
08.02.2012, 15:47 - (0.006s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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