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Absender Thema: Solierklärung für die KTS
h2o
28.02.2004
Solidaritätserklärung: Für den Erhalt der KTS

Seit fast 10 Jahren existiert die KTS als Ort für Kultur und Politik in Selbstverwaltung.

Die KTS bietet seit ihrem Bestehen KünstlerInnen aus aller Welt sowie der lokalen Kultur- und Nachwuchsszene einen für Freiburg einmaligen Raum für Konzerte, Theater- und Kabarettaufführungen, Lesungen, Ausstellungen, Filmvorführungen und Parties. Weit über die Region hinaus ist sie ein einzigartiges Zentrum für alternative Politik und Kultur.
Die regelmäßig stattfindenden Info- und Diskussionsveranstaltungen, Seminare und Workshops sind ein fester Bestandteil der alternativen politischen Kultur.
Viele Initiativen nutzen die Räume der KTS: der Infoladen steht mit Büchern und Zeitschriften allen BesucherInnen offen, die Umwelt- und Projektwerkstatt stellt mit ihrem „offenen Büro“ eine unverzichtbare Infrastruktur für politische Arbeit dar. Darüber hinaus stellt die KTS Räume für Café und Kneipe, Bandproben, Essen zum Selbstkostenpreis, Sonntagsbrunch, Selbstverteidigungskurse, einen Umsonst- Laden, eine Therapiegruppe und noch vieles mehr bereit.
Diese Vielfalt an Aktivitäten ist mit dem herrschafts- und gesellschaftskritischen Anspruch der KTS verbunden: Sie versteht sich als ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen und Einzelpersonen. Alle Projekte in der KTS sind unkommerziell, wodurch vielen Menschen ermöglicht wird, für wenig oder gar kein Geld ein breites Angebot an Veranstaltungen zu besuchen. Gerade in Zeiten des verschärften Sozialabbaus ist dies notwendiger denn je. Die Nutzung der Räumlichkeiten ist kostenlos, politische Infoveranstaltungen oder Konzerte, bei denen die Unkosten nicht durch den Eintritt abgedeckt werden können, werden von der KTS subventioniert. Dadurch ist es auch Menschen ohne finanzielle Ressourcen möglich, Veranstaltungen durchzuführen. Der unkommerzielle Anspruch des Hauses kann nur verwirklicht werden, indem alle Aktivitäten unentgeltlich und in Eigeninitiative stattfinden.
Gerade jungen Menschen und Gruppen bietet die KTS die Möglichkeit, jenseits des gesellschaftlichen und kulturellen Mainstreams eigene Initiativen zu starten, Erfahrungen zu sammeln und selbstbestimmt Veranstaltungen zu organisieren.
Die Struktur des Hauses ist offen, was bedeutet, dass sich jede und jeder aktiv einbringen kann. Entscheidungen werden prinzipiell im Plenum basisdemokratisch und nach dem Konsensprinzip getroffen.

Die KTS versteht sich als ein Projekt, das für eine emanzipatorische und gesellschaftskritische Perspektive eintritt. Das ist häufig unbequem und gerade deshalb notwendig. Ausbeutungs- Herrschafts- und Ausgrenzungsverhältnisse sollen kritisiert und bekämpft werden. Die Diskriminierung von Menschen, die nicht der herrschenden gesellschaftlichen Norm entsprechen, wird in den Räumen der KTS nicht geduldet.
Die KTS versucht, einen Freiraum für nichthierarchische Organisations- und Umgangsformen zu bieten und sich darüber hinaus aktiv in die bestehenden Verhältnisse einzumischen. Kritik und Proteste werden immer wieder in die Öffentlichkeit getragen. Und das auf eine offene, direkte Art und Weise, wie es im Rahmen der etablierten Medien und Politikformen nicht möglich ist. Auch deshalb ist die KTS unverzichtbar.

Kurz vor dem 10jährigen Jubiläum ist die Zukunft der KTS jedoch akut gefährdet. Anfang Februar hat die Bahn, der das Gebäude gehört, der Stadt Freiburg, die es an die KTS weitervermietet hat, den Nutzungsvertrag gekündigt. Die Stadt Freiburg hat die Kündigung bisher anerkannt, alle öffentlichen Veranstaltungen wurden seitens der Stadt untersagt und nun droht sogar die Räumung des Gebäudes.
Die von der Bahn vorgegebenen Gründe können eine Entscheidung solcher Tragweite keinesfalls rechtfertigen, zumal sich die Bahn im Vorfeld möglichen Lösungen weitgehend verweigert hat. Beispielsweise hätten die Parkprobleme mit baulichen Maßnahmen wie einer Schranke leicht behoben werden können, wozu sich die KTS stets bereit erklärt hat und dies noch immer tut.

Wir, die unterzeichnenden Gruppen, Vereine, Betriebe und Einzelpersonen aus verschiedensten Bereichen sind der Meinung, unabhängige, unkommerzielle Kultur und Politik ist auch weiterhin wichtig und notwendig.
Wir solidarisieren uns mit der KTS und lehnen die Kündigung der Deutschen Bahn in aller Entschiedenheit ab!
Gerade eine Stadt, die sich gerne mit dem Image „offen“ und „tolerant“ schmückt, sollte Freiräume wie die KTS erhalten. Deshalb verlangen wir von der Stadtverwaltung und insbesondere von Oberbürgermeister Salomon eine eindeutige Positionierung sowie eine Bestandsgarantie für die KTS.

Wir erklären, dass die Kündigung der KTS eine unverhältnismäßige und nicht akzeptable Entscheidung mit katastrophalen Folgen für alternative Kultur und Politik darstellt.

Wir fordern die Bahn auf, die Kündigung zurückzuziehen und der KTS ein akzeptables Angebot für die weitere Nutzung des KTS-Gebäudes zu unterbreiten.

Wir fordern alle beteiligten Parteien auf, die Zukunft der KTS langfristig zu sichern.


Für den Erhalt der KTS!

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Beipackzettel für die

Solidaritätserklärung: Für den Erhalt der KTS!


Feburar/März 2004

Hallo und guten Morgen,

In den letzten Wochen habt Ihr/Sie sicher vom Konflikt rund um die KTS (Kulturtreff in Selbstverwaltung) mitbekommen (Falls nicht, haben wir noch einige weitere Informationen beigefügt, siehe unten). In den Händen haltet Ihr/Sie die Solidaritätserklärung für den Erhalt der KTS Freiburg. Diese Erklärung wurde von einer Initiative verfasst, die möglichst viele Gruppen, Vereine, Betriebe und Einzelpersonen aus verschiedensten Bereichen ansprechen und dazu bewegen will, die KTS öffentlich mit ihrem Namen zu unterstützen. Angesichts der drohenden Räumung ist es für die KTS sehr wichtig, eine möglichst breite und vielfältige Unterstützung in der Öffentlichkeit zu haben. Damit kann auch der Stadtverwaltung noch einmal deutlich gemacht werden, dass es viele Menschen und Institutionen gibt, die es wichtig finden, dass es in Freiburg weiterhin einen Raum für selbstverwaltete Kultur und Politik gibt. Da wir jedoch wissen, wie aufwendig es ist, eine solche Erklärung selbst zu verfassen bzw. es auch sinnvoll finden, die Solidarität zu bündeln, treten wir mit dieser Bitte um Unterstützung an Euch/Dich/Sie heran.
Die Solidaritätserklärung soll auf verschiedene Wege öffentlich gemacht werden (im Internet, in verschiedenen Printmedien usw.).
Wir bitten Euch/Sie/Dich daher den Text mit dem Namen Eurer/Ihrer Gruppe, des Vereins, des Betriebes oder ähnliches zu unterschreiben und an uns zurückzusenden. Ihr könnt uns entweder per mail, per Fax oder per Post erreichen (Adresse siehe unten). Zusätzlich wäre es auch noch wichtig, die unterschriebene Solierklärung an die Bahn, die Stadt und die Presse (Adressen siehe unten) weiterzuleiten, um Ihren/Euren/Deinen Schritt der Unterstützung öffentlich zu machen

Wir bitten außerdem darum die Solierklärung an Bekannte, FreundInnen, andere Gruppen, Institutionen und Betriebe weiterzuleiten. Die KTS braucht viel und vielfältige Unterstützung !

Wenn Ihr/Sie/Du noch Rückfragen habt, sind wir am besten und schnellsten per mail zu erreichen.

Vielen Dank

Soligruppe der KTS



Anbei:
Infos zu weiteren Infos
Adressen
Einblick in den Konflikt mit der Bahn und Stadt aus unserer Sicht
Weitere Infos unter www.kts-freiburg.org:

Dort gibt es unter anderem Stellungsnahmen von den Fraktionen der Grünen, SPD, Linke Liste usw., sowie von Vereinen u.a. für den Erhalt der KTS
Außerdem Links zu Berichten von Aktionen von und für die KTS der letzten Wochen.

Einen Pressespiegel zur KTS findet Ihr unter www.antifa-freiburg.de

Adressen:

KTS:

Post: Soligruppe KTS
KTS Ini
Baslerstr. 103
79100 Freiburg
E-Mail: kts-soli(at)gmx.net
Fax: 0761/554084


Stadt Freiburg:

Stadt Freiburg im Breisgau
Rathausplatz 2-4
79098 Freiburg
Telefon: 0049-761-201-0
E-Mail: rathausinformation(at)stadt.freiburg.de

Bürgermeister von Kirchbach
Über Fax 0761-201-3099

DB AG:

Herrn Dr. Peter Schnell
Konzernbevollmächtigter der DB
in Baden-Württemberg
Fax 0711-2092-3600

Herr Sahrbacher
DB Service Immobilien GmbH
Niederlassung Karlsruhe
Fax 0721-9382877

Herrn Dr. Michael Vulpius
DB Regio
Fax 36803-49

Presse:

Badische Zeitung:
redaktion(at)badische-zeitung.de
Badischer Verlag GmbH & Co. KG
Basler Straße 88
79115 Freiburg
Telefon: 0761 / 496-0
Fax: 0761 / 496-5029

Der Sonntag:
redaktion(at)der-sonntag.de
Der Sonntag Verlags GmbH
Bertoldstraße 7
79098 Freiburg im Breisgau


Hier noch mal ein Einblick in den Konflikt mit der Bahn und Stadt aus unserer Sicht:

Anfang Februar wurde der KTS von der Deutschen Bahn, der das Gelände gehört und der Stadt Freiburg, die diese Gelände an die KTS weitervermietet, der Nutzungsvertrag gekündigt.
Die Bahn begründet diesen Schritt mit dem Vorwurf des Falschparkens durch KTS-BesucherInnen und weitere angebliche Störungen, die jedoch auf Nachfrage nicht angegeben werden konnten. Das einzige zusätzlich genannte Delikt war die Entwendung einiger Bahnpaletten vor über einem dreiviertel Jahr, die jedoch von der KTS schon vor längerem bezahlt wurden, woraufhin die Bahn versicherte, die Angelegenheit sei erledigt. Diese vorgeschobenen Gründe wurden auch von der Stadtverwaltung als ausreichender Kündigungsgrund anerkannt.
Auf die Beschwerde des Falschparkens wurde von der KTS mit baulichen Veränderungen, Aufklärung der BesucherInnen über Homepage, Koraktor (Programm), Plakate, Flyer etc. reagiert. Zudem wurden in seit Sommer laufenden Gesprächen mit Stadt und Bahn weitere bauliche Maßnahmen vorgeschlagen und der Bahn eine bei allen Veranstaltungen erreichbare Notfallnummer gegeben, die jedoch von der Bahn nie genutzt wurde. Dieses Entgegenkommen der KTS war ein Bemühen um eine gute Nachbarschaft und keine Pflicht, denn wie alle anderen Veranstaltungsorte (Kinos, Kneipen, Discos, etc.) ist die KTS nicht für die Regelung des Verkehrs verantwortlich.
Alle von der KTS unterbreiteten Lösungsvorschläge wurden im Vorhinein von der Bahn abgelehnt, da es nicht um technische Probleme gehe, sondern um die Einstellung der BesucherInnen.
Erstaunlich ist die lange Reaktionszeit der Bahn, die nach 5 Jahren reibungslosem Miteinander in der Baslerstraße plötzlich die Bösartigkeit der BesucherInnen bemerkt, welche jetzt als Kündigungsgrund herhalten soll.
Wir denken, dass sich Lösungen für all diese Probleme finden lassen, und seien es bauliche Maßnahmen, die den Zugang zur KTS komplett von dem zum Bahnbetriebswerk trennen. Dies ist sicherlich immer noch billiger als die hohen Kosten, die durch einen Umzug der KTS entstehen würden.

Trotz aller Widrigkeiten sind wir immer noch gesprächsbereit und sind uns sicher, dass sich für die oben beschriebenen Probleme Lösungen finden lassen.
Wir halten es für den besten Weg, wenn die KTS in den Räumen bleibt, in denen sie sich befindet!




ande
Administrator
28.02.2004
Die KTS hat meine volle ideelle Unterstützung. Die Unvernunft ist zumindest zur Zeit wohl auf der anderen Seite zu finden.

Eine Zufahrt für einen Veranstaltungsraum zu planen, der den mindesten Anfoderungen an einen solchen nicht genügt, zeigt wenn nicht Unfähigkeit, dann doch Unwillen, friedlich zusammenzuleben.

Das Affentheater, das die Bahn und vielleicht als nächstes die Stadt veranstaltet, ist jetzt schon mit Sicherheit teurer, als eine technische Lösung, die die zu respektierenden Bedürfnisse BEIDER ganz selbstverständlich und zufriedenstellend berücksichtigt. Wäre es ein privater Investor, hätte man die geeignete Auffahrt wohl als Bauauflage gefordert.

Wenn die Zustände nun so katastrophal sein sollen, warum hat die Bahn vor Jahren (!) den Raum überhaupt vermietet? Warum hat sich die Stadt darauf eingelassen?

Es ist mal wieder so: Kommerz macht sogar vor den sozialen Bedürfnissen Jugendlicher und Leuten mit weniger Kohle nicht halt.

Jede Wette, daß die Nachbarn, die ihre Grundstücke vergolden wollen, bei der Stadt oder der Bahn rumgenörgelt haben. Und schon springen alle, steht alles auf Sturm.

DAS muß sich vor allem ändern: Die absolute und undemokratische Herrschaft der Reichen.
 
08.02.2012, 16:10 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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