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Die Stadtteilzeitung vauban actuel erscheint etwa viermal im Jahr in gedruckter Version. Hier sind ausgewählte Artikel daraus online zu finden. |
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Thema: Der Blick hinter die Steckdosen (Vauban actuel 1-2004/12. Februar) |
Carsten Sperling Experte 04.07.2004 |
Strombezug gehört im Vauban nicht zu den ökologischen Vorzeigeprojekten.
Anlässlich der Ausrufung des „WeltENERGIEspartag“ verdeutlichte Klaus Preiser / badenova den verblüfften ZuhörerInnen im letzten Jahr im Stadtteilzentrum, dass der Anteil derjenigen, die zu klimafreundlichen Stromangeboten gewechselt haben, im Vauban kaum höher ist als im Freiburger Durchschnitt (siehe Grafik – alle Grafiken sind in der PDF-Version von Heft 1-2004 zu finden unter http://www.vauban.de/vauban-actuel ).
Physikalisch kommt ein „grünes“ Angebot zwar genauso aus dem deutschland- und europaweiten Stromverbund. Der wird oft mit einem See verglichen, den genauso Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken wie auch Windmüller, Wasserkraftwerker und Solaranlagenbetreiber bedarfsgerecht füllen.
Was bringt ein Wechsel?
Der „Stromsee“ wird seit der Liberalisierung der Energiewirtschaft anders abgerechnet: Wer ein „grünes“ Angebot gewählt hat, zahlt entweder einen Aufpreis in einen Klimaschutz-Fond (z.B. bei badenova Regiostrom). Oder der Anbieter weist nach, dass er seinen „grünen“ Strom zeitgleich zum Verbrauch aus Blockheizkraftwerken, Wasser-, Wind- und Sonnenenergie einkauft. Die Anteile sind unterschiedlich: bei EWS Schönau z.B. derzeit 65% Wasserkraft, 35% BHKWs, bei Greenpeace-Energy auch etwa 1% Solarstrom (im Internet aktuell abrufbar, s. Tabelle in der Print- bzw. PDF-Version).
Für konventionelle Vertragskunden wird dann der klimaschädliche und strahlende Rest des „Stromsees“ produziert (Z.B. badenova: 1/3 des Stroms wird lokal produziert, 2/3 vom Atomanlagenbetreiber EnBW zugekauft).
Wenn weiter nichts passiert, dann hat also nur eine werbewirksame Umverteilung der bestehenden Produktion stattgefunden. Für den Klimaschutz ist aber entscheidend, dass der Anteil der umweltfreundlichen Stromproduktion erhöht wird. Daher sollte ein „grünes“ Angebot nicht nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen (wie z.B. bei „Naturenergie Silber“ aus Rheinfelden), sondern mit den Einnahmen kräftig in erneuerbare Energien und Energiesparprojekte investieren.
Das Ergebnis solcher Überschüsse von Kunden „grüner“ Angebote ist auf dem Vauban deutlich zu sehen: u.a. das Holzhackschnitzel-Blockheizkraftwerk, die Bürgersolarstromanlage auf dem Stadtteilzentrum und viele kleinere Anlagen konnten gebaut werden, weil hohe Fördergelder aus dem badenova Regiostrom-Fond auszahlt wurden. Andere Gemeinschaftsanlagen wie z.B. in der Vaubanallee 18 (Quartiersladen) wurden mit Fördergeldern belohnt, weil die Betreiber Kunden bei den „Stromrebellen“ EWS Schönau geworden sind. Und weitere Anlagen sollen folgen!
Was garantiert das EEG?
Zusätzlich profitieren alle Privatpersonen und Firmen, die klimafreundlich Strom produzieren, von gesetzlich garantierten Aufpreisen, die das EEG (”Energie-Einspeisegesetz”) vorschreibt. Der lokale Stromversorger, hier also die badenova, ist verpflichtet, den Strom aufzukaufen. Alle Aufpreise holen sich die Stromversorger wieder bei ihren Kunden zurück, egal ob diese ein konventionelles oder ”grünes” Angebot nutzen. So beteiligten sich gezwungenermaßen auch konventionelle Stromhaushalte am Bau klimafreundlicher Neuanlagen, im Jahr 2003 z.B. mit 0,42 Cent/kWh (ca. 27 Cent pro Monat und Person). Dabei wird gern auch mal geschummelt: Obwohl die Kosten für den Windenergieeinkauf im Jahr 2003 gar nicht so hoch ausfielen wie prognostiziert, wurden die eingesparten Kosten nicht in 2004 an die Kunden wieder zurück gegeben. Im Gegenteil: Preiserhöhungen werden gern mit den Aufpreisen des EEG begründet, obwohl eine Steigerung wie um 0,8 Cent/kWh wie bei EnBW im vergangenen Jahr nicht allein mit dem EEG begründbar ist (siehe taz-Artikel vom 10.01.04: http://www.taz.de/pt/2004/01/10/a0111.nf/text ).
Grüner Strom nicht viel teurer
Während anfangs konventionelle Anbieter mit Tiefpreisen lockten, können „grüne“ Angebote spätestens seit den Preiserhöhungen vom 1.1.04 gut mithalten: KundInnen „grüner“ Angebote müssen monatlich noch auf etwa 1-2 Biere pro Haushalt verzichten und können bei manchem Angebot sogar ohne Mehrkosten zum Klimaschutz beitragen.
Die Wahl des Anbieters sollte nicht nur vom Preis abhängen sondern auch davon, ob in Freiburg aktiv Klimaschutz betrieben wird. Allerdings mag manche/r solche Anbieter bevorzugen, die so klein sind, dass sie keinen konventionellen Strom anbieten müssen und somit auf Verflechtungen mit Atomstrombetreibern völlig verzichten können.
Vorteilhaft im Vauban ist, dass viele Baugruppen mehr als 30.000 kWh pro Jahr beziehen und damit auch bei „grünen“ Stromangeboten als Großkunden gelten. Für sie wird ein individuelles Angebot erstellt. Einfach die alte Stromrechnung faxen oder eine Kopie einschicken, dann erhalten Sie Ihr Angebot zum Klimaschutz.
Gerade lese ich von der Verstrahlung von 7 Arbeitern im AKW Fessenheim. Zwar noch kein Tschernobyl, aber vielleicht doch Anlass genug, um über die Stromerzeugung hinter der Steckdose nachzudenken.
Christian Tebert
[Beitrag vom: 04.07.2004 16:34 geändert durch: Carsten Sperling am: 04.07.2004 16:35] |
ande Administrator 05.07.2004 |
Man möge mir bitte verzeihen, wenn ich eine Diskussion eröffne in einem Forum, in welchem eigentlich nicht diskutiert wird sondern nur vauban actuel informiert, aber:
Die Wahl des Stromanbieters war ursprünglich eine gute Idee, aber aus der Not geboren und sie hat zudem massive Geburtsfehler, die nicht reparabel sind. Daher bin ich FÜR ökologische Stromproduktion, aber auch dafür, daß wir diese Ökostromgeschichten so schnell wie möglich wieder beerdigen. Der Umwelt wäre damit geholfen, und zwar aus folgenden Gründen:
Einen Stromanbieter zu wählen machte mehr Sinn, wenn dadurch wirklich z.B. eine andere Technik mit ausgewählt würde und es somit nebenbei einen Wettbewerb der Techniken gäbe. So werden zum Beispiel beim Telefonieren oft schon Kupferadern eines Kunden in ein ganz anderes Netz eines anderen großen Anbieters geleitet, die Ferngespräche über call-by-call laufen zum großen Teil schon lange nicht mehr über die Hauptadern der Telekom. Das macht Sinn. Dennoch haben wir auch beim Telefonnetz das Problem des Mietens der "letzten Meile" zum Kunden durch Mitbewerber. Hier versucht der Monopolist freilich weiterhin mit überhöhten Preisen (weil das Netz zum größten Teil längst abgeschrieben ist) den Wettbewerb auszubremsen. Zum Glück wird diese TAL-Miete allmählich durch die RegTP gesenkt, sodaß langsam ein echter Wettbewerb auf mehreren Ebenen entstehen kann. Nicht so beim Strom!
Beim Strom ist meines Wissens der Durchleitungspreis nicht nur pauschal fixiert, sondern auch so hoch, daß dem Netzbetreiber fast egal ist, ob er Strom verkauft oder durchleitet: Die Gewinne sind gesichert. Die ehemals neun Monopolisten haben nach meinem Gefühl ihr Interesse bei der sogenannten Liberalisierung voll durchdrücken können: Es gibt nicht mal eine Regulierungsbehörde, die im Fall des Telefons übrigens alle Hände voll zu tun hat.
Es wird beim Bewerben, Erfinden, Vergleichen der verschiedenen Öko- und sonstigen Stromarten der ganze Aufwand zur Zählerablesung, Verwaltung, Rechnungsstellung, allen voran Werbung und Beratung so dermaßen erhöht, daß ich jede Wette eingehe, daß der Betrag, der über sogenannten Ökostrom mehr umgesetzt wird, vokswirtschaftlich gesehen in diesen Kanälen versickert.
Besser, man läßt es.
Dennoch sind natürlich ökologische Investitionen bitter notwendig. Für die beste Idee in den vergangenen 50 Jahren halte ich das EEG in dieser Hinsicht. Ohne Steuergelder einzusetzen, zwingt es den ökologischen Wandel auf (den uns nur wenig später die Natur aufzwingt), und auch ohne feste Zielvorgaben zu machen. Das EEG drückt den Strommarkt in die richtige Richtung, mit den richtigen Mitteln. Noch viel wichtiger wäre, wenn die Atomkonzerne endlich ihre Atommeiler gegen Fälle wie Cernobyl versichern würden: Daß Cernobyl möglich ist, ist mehrfach bewiesen, und wenn das Risiko wirklich so gering wäre wie immer behauptet, würde sich leicht eine günstige Versicherung finden lassen. Das Gegenteil ist die Fall, denn die Versicherungen beurteilen die Atomkraft schon richtig. Das ist ihr Beruf. Das Risiko ist wenn nicht zu hoch, dann viel zu teuer.
Von jetzt auf gleich wäre die Atommafia pleite.
Zurück zu den positiven Beispielen:
Anstelle einen Stromanbieter zu wählen, empfehle ich folgendes:
1. Ökologische Investitionen und Effeizienzmaßnahmen im eigenen Haus: Nur man selbst hat dort Einfluß. Um so wichtiger, daß dort was geschicht, niemand sonst kann es tun. Und man bekommt später Geld zurück.
2. Hat man nicht genug Geld verfügbar, kann man ja die eigene Stromrechnung heranziehen. Die verbrauchten Kilowattstunden multipliziert mit sagen wir 2 oder 3 Cents/Kilowattstunde - direkt gespendet hilft viel mehr, der ganze Verwaltungsaufwand fällt weg. Meine persönliche Empfehlung: Spenden Sie den Schönauern!
Es ist übrigens immer noch unklar, welcher Strom als "Ökostrom" durchgehen darf. Etwa die längst abgeschriebenen Alt-Wasserkraftanlagen, wie es meines Wissens "Naturstrom" verschleiernd um nicht zu sagen betrügend macht und die früher ganz selbstverständlich im Strommix dabei waren? Hier wird die mangelnde Aufklärung der Bürger zur Augenwischerei genutzt. Ich habe keine rechte Lust auf die Ökolabel-Diskussion. Ich will etwas unterstützen, von dem ich weiß, daß es taugt.
Beerdigen wir die "Ökostromarten", als historisch vor dem EEG vielleicht notwendiger Schritt, aber sinnlose Vergeudung von Gedanken und Ressourcen.
Wir wohnen in einem Passivhaus, das 80% der Primärenergie beim Wohnen einspart. Woher der Strom kommt, ist uns fast egal, wir sind aber froh, daß wir mit Badenova einen vergleichsweise guten, auch ökologisch bewußten, Stromlieferanten haben. Wir werden also nicht von Badenova zu einem anderen Anbieter wechseln, aber den Ökostrom produzieren wir selbst - und biliger.
[Beitrag vom: 05.07.2004 10:42 geändert durch: ande am: 05.07.2004 10:55] |
ande Administrator 26.04.2006 |
Der folgende Artikel führt das noch weiter und - besser:
http://www.vauban.de/forum/thema-1555.html |
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