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Absender Thema: Endspurt fürs Modellquartier
ande
Administrator
23.07.2005
Badische Zeitung vom Donnerstag, 10. Februar 2005

Endspurt fürs Modellquartier
"Entwicklungsmaßnahme" Vauban mit einem leichten Defizit

Von unserem Redakteur Uwe Mauch

Das Vorhaben, das frühere französische Militärgelände Vauban in einen Modellstadtteil zu verwandeln, geht in die Schlussphase. Nach aktueller Hochrechnung wird das 94-Millionen-Euro-Unternehmen am 31. Dezember 2006 mit einem Minus von 400 000 Euro abschließen, das im schlimmsten Fall sogar zu einem Millionendefizit werden könnte. Dann müsste der städtische Haushalt das Loch stopfen.

Inzwischen ist Roland Veith von der städtischen Projektgruppe Vauban optimistischer als noch 2000. Damals drohte ein Millionenloch; die Finanzierung des dritten Kindergartens und des Ausbaus der Grundschule waren unklar. "So eine Entwicklungsmaßnahme ist eine dynamische Angelegenheit", erklärt Veith. Geplante Einnahmen und Ausgaben sinken und steigen. Großen Einfluss haben der Immobilien- und der Zinsmarkt. Starke Nachfrage und niedrige Zinssätze wirkten sich von Beginn an positiv aus.

Die Vermarktung des dritten und letzten Bauabschnitts im Quartier läuft gut. Von den 28 Grundstücken sind 13 (so gut wie) verkauft, für acht gibt es konkrete Interessenten; von den sieben freien Flächen sind drei größere für Bauträger, die hier Geschosswohnungen errichten können. Doch seit der Vermarktung des ersten Bau-Abschnitts 1998 läuft das Geschäft mit den Bauträgern schleppend, weshalb im zweiten Bau-Abschnitt seit 1999 verstärkt Baugruppen zum Zuge kamen. Auch der Verkauf von Gewerbeflächen blieb hinter den Erwartungen. Deshalb hat der Gemeinderat den Anteil für Wohnbau hochgesetzt (von 15,2 auf 16,5 Hektar) und den fürs Gewerbe runter (von 3,8 auf 1,5 Hektar). Zum Nutzen des Treuhandkontos, weil Wohnflächen mehr bringen - 2,5 Millionen Euro.

Das Finanzvolumen für den neuen Stadtteil wird voraussichtlich bei 94 Millionen Euro liegen. Dass Einnahmen und Ausgaben weiter auseinander klaffen werden als bisher kalkuliert, hält Veith für wenig wahrscheinlich, doch sind Risiken nicht auszuschließen: So gibt es Widerstand im Quartier gegen die Bebauung des Marktplatzes und gegen ein großes Vorhaben für generationenübergreifendes Wohnen an der Astrid-Lindgren-Straße. Würde das Baurecht aufgehoben, fehlten auf einen Schlag vier Millionen Euro. Im Gemeinderat allerdings gibt es keine entsprechenden Signale.

Heikler ist die Frage der Altlastensanierung, die zehn Millionen Euro kostet. Bis zu 90 Prozent der Kosten trägt der Bund unter der Voraussetzung, dass sich die Sanierung aufs Notwendige beschränkt. Mit dem staatlichen Vermögensamt muss geklärt werden, ob diese Vorgabe eingehalten wurde - es geht immerhin noch um 3,3 Millionen Euro.

Wenn das Treuhandkonto Ende 2006 schließt, muss die Stadt alle nicht verkauften Grundstücke erwerben. Im ersten Bau-Abschnitt sind das - neben dem Marktplatz und dem Vorhaben an der Astrid-Lindgren-Straße - zwei Mischgebiete, wo Wohnen und Gewerbe vorgesehen sind. Selbst wenn sie liegen bleiben sollten, behalten sie ihren Wert - nur muss dann das Rathaus die Vermarktung übernehmen und die Kosten oder Einnahmen im Haushaltsplan buchen.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de
ande
Administrator
23.07.2005
Das behauptete Defizit spiegelt eine verzerrte Sichtweise dar und ist daher sachlich falsch

Korrekt ist die Tatsache, daß Freiburg bereits 17 Millionen EUR aus der "Entwicklungsmaßnahme Vauban" herausgenommen hat und davon die Schule und Kindergärten gebaut: Eine Aufgabe, die sonst rein aus Steuergeldern zu leisten ist. Niemand hat etwas dagegen, daß Schulen gebaut werden, aber es ist eben sachlich falsch, daß die Stadt wegen Vauban drauflegen wird. Die Stadt hat jetzt schon viele Millionen gewonnen.

Wir Bürger müssen also nun immer wieder hören, wieviel Defizit unsere Forderungen bewirken, aber das Gegenteil ist der Fall:

Die Stadt Freiburg wird dank dem großen praktischen Bürgerengagement noch einige Millionen mehr gewinnen:

- Durch die sehr gute Resonanz des Autofreikonzepts kann die Stadt weitere Flächen vermarkten
- Durch bürgerschaftliche Initiative konnten bereits 6 Kasernengebäude vor dem Abriß bewahrt werden: Das sparte der Stadt nachgewiesenermaßen Abrißkosten in Millionenhöhe.
- Wegen der guten Vermarktbarkeit und nicht zuletzt wegen des attraktiven Autofreikonzepts konnte die Stadt Gewerbegebiet in Mischgebiet umwandeln, was vermutlich noch einige Millionen mehr ergeben wird.

Mit diesen Millionen ist dann vermutlich möglich, andere Planungsfehler zu kompensieren:

- Die teilweise zu aufwendige Randbefestigung der Straßen
- Der unnötige und vermeidbare Abriß der Gebäude 51, 53, 61, 7, eventuell 8, 55 und 56.

Nirgendwo in Europa gibt es Stadtentwicklung zum Nulltarif. Sollte die Entwicklungsmaßnahme in Vauban ausnahmsweise nur mit einem geringen buchhalterischen Minus abschließen, kann die Stadt froh sein und dem Forum Vauban danken, ohne dessen engagierte jahrelange Arbeit vor allem in den ersten Jahren all das nicht möglich gewesen wäre.

Natürlich kann der Stadtteil Vauban ein Vorbild für Stadtentwicklung andernorts sein, aber zuallererst war es die Bürgerbeteiligung "beinahe auf Augenhöhe" und ein kluger damaliger Baubürgermeister, die das Ganze voran brachten.

Andreas Delleske

[Beitrag vom: 23.07.2005 14:05 geändert durch: ande am: 23.07.2005 14:06]
 
08.02.2012, 23:20 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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