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Thema: Am Dorfbach: Die größte Grünfläche Vaubans |
eRichLutz Großmeister ;-) 19.08.2005 |
Artikel aus Vauban actuel 2005/1
Auch im naturnahen ‚Abschnitt ‘Vauban’ sind noch viele Betonreste zu finden.
„Über sieben Brücken mußt Du gehen“, heißt es in einem bekannten alten Schlager. Und genau das könnten SpaziergängerInnen am Dorfbach an der südlichen Vaubanflanke befolgen. Allerdings ist vom Begehen der siebten Brücke streng abzuraten, dar-über donnern nämlich Güterzüge und der ICE!
Das Grundstück am Bach ist ein „langer Schlauch“, und so geht das Zuggeräusch mit wachsendem Ab-stand bald im allgemeinen Lärmpegel unter. Mit rund vier Hektar ist die Grünfläche am Dorfbach rund fünf-zehnmal so groß wie eine Grünspange. Genau ge-nommen kann Vauban das Areal am Dorfbach samt seinem Grünsaum aber nicht für sich alleine bean-spruchen. Die Stadt Freiburg mit St. Georgen und Vauban verwaltet den größten Teil, der Ostzipfel zählt zu Merzhausen. Auf der Vaubanseite zieht sich zwi-schen Bebauung und Ufersaum ein im Mittel fünfzehn Meter breiter Grünstreifen hin.
„Es ist eine Pufferzone zwischen einer intensiv ge-nutzten Bebauungsfläche und einem wertvollen Bio-top“, erläutert Harald Rehbein, von ‘Stadtgrün und Friedhöfe’. Aus diesem Grund sind dort auch keine Angebote für Spiel und Freizeit zu finden, wie sonst auf den Grünspangen. „Wir haben die einsetzende Verbuschung beseitigt und wertvolle Hochstauden an-gesät“, fährt Harald Rehbein fort. Im Zwei-Jahres-Turnus kommt der Mähbalken, damit der Charakter der Staudengesellschaft erhalten bleibt. Kanadische Pappeln, verschiedene Weidenarten und die Schwarzerle sind die dominierenden Bäume am Bach. „Totholz lassen wir stehen, wenn dadurch keine Un-fallgefahr entsteht“, ergänzt der Beauftragte für bür-gerschaftliches Engagement. Der Gehölzufersaum inklusive Bach und Staudenfläche stehen unter dem Schutz des § 24a, Landesnaturschutzgesetz. Damit sind alle Eingriffe, die das Biotop schädigen, unter-sagt.
Für die Kinder ist der Dorfbach eine große Attraktion, wenn auch manche Aktivitäten mit dem Naturschutz nicht recht in Einklang zu bringen sind. Von seiten der Grünbehörde wird nachdrücklich an Eltern und Kinder appelliert, auf keinen Fall Nägel in die Bäume zu schlagen und keine Kunststoffstricke um Äste zu knoten. Wenn schon, dann sollten Kokosstricke ver-wendet werden, die verrotten, bevor sie später ein-wachsen können.
Der Aufenthalt der Kinder am Dorfbach kann aber aus einem ganz anderen Umstand problematisch sein: Viele Hundehalter nutzen die Uferstreifen zum Gassi-gehen mit ihren Lieblingen. Am Uferstreifen nicht in einen Hundehaufen zu treten, ist fast unmöglich. Es handelt sich bei dieser unschönen Sache um keine vernachlässigbare Kleinigkeit: Kontrollkartierungen haben ergeben, daß die Häufchendichte bei 0.6 Stück pro Meter Uferfläche liegt. Umgerechnet aufs Jahr fallen am Dorfbachabschnitt Vauban damit rund 7,5 Tonnen Hundekot an. Das ist nicht nur ein Thema für das Gesundheitsamt – auch beim Eigenbetrieb ‘Freiburger Stadtentwässerung‘, zuständig für die Gewässerunterhaltung, müßten die Alarmglocken läuten. Das Entwicklungsziel, die Wasserqualität des Dorfbaches zu verbessern, könnte dadurch zusätzlich erschwert werden (Inzwischen will man sich bei der Stadtverwaltung des Problems annehmen und plant die Aufstellung eines Entsorgungssystems im Bereich der beiden Holzbrücken). Durch verschiedene Abwasser-Einleitungen auf Merzhausener Gebiet fällt der Reichenbach, wie er im Hexental heißt, vom nährstoffarmen Forellenbach mit bester Wasserqualität auf ein mittelwertig belastetes (mesotrophes) Gewässer zurück.
Wenig naturnah präsentieren sich die Bachufer im Siedlungsgebiet von Merzhausen. Eine entsprechen-de Artenverarmung in diesen Abschnitten ist die Folge. Besonders kurios ist der Bachlauf kurz vor der Stadtgrenze gestaltet: Der Dorfbach scheint aus dem Keller einer Autowerkstatt zu entspringen! Tatsächlich aber liegen die Quellgebiete auf 600 bis 700 Höhenmeter an den westlichen Abhängen des Schauinslandes. Mit einem Gewässer-entwicklungsplan will man nun in der Nachbargemein-de die Renaturierung vieler betonierter Uferabschnitte in Angriff nehmen. „Was uns momentan davon abhält, dringende Maßnahmen sofort umzusetzen, ist der notwendige Bau eines weiteren Hochwasser-Rückhaltebeckens zwischen Au und Merzhausen“, erläutert Bürgermeister Eugen Isaak. „Die Planungen kamen nur langsam voran, da die benötigte Fläche auf Privatgrund liegt – mit all den damit verbundenen Schwierigkeiten“ fügt er noch hinzu und fährt fort: “Das Hochwasser mit der erhöhten Durchflußmenge und –geschwindigkeit würde jetzt alle Bemühungen zu-nichte machen“.
Der Uferstreifen am Dorfbach soll erweitert werden.
Die Ursachen der extremer werdenden Hochwasserspitzen können im Waldsterbensprozeß und im Kli-mawandel gesucht werden: Der kranke Wald auf dem Schauinsland hält die Niederschläge weniger gut zu-rück, die Klimaerwärmung bringt mehr Energie ins Wetter, was uns nun alle zwei, drei Jahre einen Jahr-hundertregen beschert. Sind von Überflutung nicht nur die Malediven, sondern etwa auch Vauban und St. Georgen bedroht? Ein Artikel im Freiburger Amtsblatt vom 19. Februar 2005 warnt: „Hochwasser – die un-terschätzte Gefahr“. Unscheinbare Bäche, wie u.a. der St. Georgener Dorfbach werden ausdrücklich mit möglichen Überschwemmungen nach Starkregen in Verbindung gebracht. Genannt wird ein Gefährdungs-gebiet zwischen Ruhbankweg und Güterbahnbrücke. Vorstellbar ist durchaus, daß Vauban, errichtet auf dem angeschwemmten Material des Dorfbaches, sich nasse Füße holt, wenn zusätzlich der Fall eintritt, daß an den Brücken durch Bruchholz der Abfluß verstopft wird. „Wir haben schon manches Mal Baumstücke aus dem Bach gezogen, wenn es sich anschickte, kritisch zu werden“, erinnert sich Hermann-Josef Bents, der Schulleiter der Waldorfschule St. Georgen. Seit zwan-zig Jahren engagiert er sich als Bachpate für den Dorfbach. Bereits 1986 war er bei der Uferrenaturie-rungsaktion mit dabei. Heute kämpft er gegen die Ausbreitung des Japanischen Knöterichs und setzt sich für den Vogel- und Fledermausschutz ein. „Leider wurden einige unserer aufgehängten Nistkästen schon mehrmals zerstört“, führt er bedauernd aus. Er äußert die Hoffnung, daß durch die Vielzahl der neu hinzugezogenen Menschen der Grünzug besser unter Beobachtung steht und heimliches, frevelhaftes Tun schwieriger auszuführen sein wird.
Was passiert mit dem Dorfbach weiter, wenn er durch den tunnelartigen Durchfluß der Bahnbrücke geflos-sen ist? Nun, das ist eine neue Geschichte. Hier sei nur so viel erwähnt: Hinter St. Georgen gibt es viele schöne, naturnah gestaltete Abschnitte. Die negative Seite steckt jedoch in der Wasserqualität. Aus dem intensiven und überwiegend konventionell betriebenen Weinbau gelangen Düngemittel und Biozide in den Bach. Erhöhte Ammoniumwerte lassen auf Einleitungen ungeklärter Abwässer schließen. In diesem Bachabschnitt liegt auch der Meßpunkt, der die schlechtesten Meßdaten eines Freiburger Gewässers überhaupt liefert. Von daher wird noch viel schmutziges Wasser den Bach hinunter fließen bis zu jenem Tag in der Zukunft, an dem wieder Forellen an Vauban vorbeischwimmen werden.
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