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Absender Thema: BZ: Gesetzliche Vorgabe - eng ausgelegt
ande
Administrator
23.11.2005
Badische Zeitung vom Samstag, 2. Juli 2005

Gesetzliche Vorgabe - eng ausgelegt
ELEMENTE DER BAULEITPLANUNG TEIL III: Beispiel - die Sparsamkeit bei der Freiburger Bodenpolitik und ihre negativen Konsequenzen

W ir erfüllen die gesetzliche Vorgabe eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden und dazu die aktuellen politischen Ziele einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme", so das Credo von Oberbürgermeister Dieter Salomon zum Entwurf des Flächennutzungsplans 2020. Doch ist die Verdichtung von Innenstädten wirklich das Patentrezept für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung und welche Auswirkungen hat diese Sparwut für Bürger und Immobilienwirtschaft?

Nie waren die Städte so dicht bebaut wie heute. Seit den 1950er-Jahren hat sich der Wohnungsbestand in den großen Kernstädten etwa verdoppelt. Täglich werden heute rund 93 Hektar in Siedlungsfläche umgewandelt. Zu viel argumentieren die Flächenschützer, obwohl die Flächeninanspruchnahme seit dem Jahr 2000 (131 Hektar) um nahezu ein Drittel zurückging.

Bis zum Jahr 2020 soll nach dem Willen der Bundesregierung der Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag reduziert werden. 50 000 Ein- und Zweifamilienhäuser, die nicht gebaut werden, kosten jährlich fast 200 000 Arbeitsplätze, kontern die Verbände der Wohnungswirtschaft. "Als Folge der langfristig schrumpfenden Bevölkerung in Deutschland wird sich das Wachstum der Siedlungsflächen verlangsamen und in 40 bis 50 Jahren ohnehin zum Erliegen kommen", prognostiziert Ulrich Pfeiffer vom Forschungsinstitut Empirica. Experten zweifeln daher an der Notwendigkeit der heutigen restriktive Flächenausweisung.

Betrachtet man die Dichte vieler Städte, wird verständlich, warum Umbau, Neubau und Nachverdichtung weitaus schwieriger sind als vor 30 oder 40 Jahren. Das Flächenangebot ist knapper, die verbleibenden Freiflächen damit wertvoller und die Bereitschaft der Wohnbevölkerung, sich gegen neuen Wohnungsbau in der Nachbarschaft zu wehren, hat erheblich zugenommen.

Im Fokus der Flächensparer stehen in erster Linie die Eigenheime. Während 2002 in Freiburg noch 13,3 Hektar mit Ein-und Zweifamilienhäusern verkauft wurden, sank der Umsatz in diesem Segment bis 2004 jedoch auf elf Hektar. Im gleichen Zeitraum stieg der Flächenumsatz für Mehrfamilienhäuser dagegen von 2,9 auf 10,5 Hektar.

Der Anteil der Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern beträgt im Geschosswohnungsbau allerdings nur 16 Prozent. Immerhin sind auch hier durchschnittlich 2700 Euro pro Quadratmeter (Neubau) zu zahlen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Wohnungen weisen daher nur eine Größe zwischen 45 und 65 Quadratmeter auf - zu wenig für viele Familien.

Zu hohe Preise und ein unattraktives Wohnungsangebot führten schon einmal - in den 1980er-Jahren - zu einer starken Abwanderung von Familien ins Umland. "Die Nachfrage nach Wohnraum ist groß. Wir könnten deutlich mehr produzieren und zwar in allen Kategorien", stellt Ralf Klausmann, Vorsitzender der Vereinigung Freiburger Wohnungsunternehmen, fest. Zwar habe sich die Lage durch die Ausweisung der Neubaugebiete Rieselfeld, Vauban und Alter Messplatz entspannt. Es sei jedoch abzusehen, dass die vorhandenen Flächen nur in begrenztem Maße ausreichten.

Künftig wird sich der Wettbewerb zwischen den Kommunen, auch im Hinblick auf die demographische Entwicklung, verschärfen. Angebote, die die Präferenzen der Nachfrager treffen, haben dabei die besseren Marktchancen. Wohnungsangebote müssen die Individualisierung der Gesellschaft hinsichtlich Baustil und Preis aufgreifen und widerspiegeln. Das Haus mit Garten, große Wohnungen mit variablen Gestaltungsmöglichkeiten, Studentenwohnungen und barrierefreie Angebote für Senioren müssen bezahlbar bleiben, soll die lebendige Innenstadt nicht zum Relikt der Vergangenheit geraten.

Gabriele Bobka

Quelle: http://www.badische-zeitung.de
 
06.02.2012, 23:03 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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