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Thema: "Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet" |
eRichLutz Großmeister ;-) 12.04.2009 |
Für den Tourismus gilt die alte Weisheit "Der Tourismus zerstört das, was er sucht, indem er es findet". Das ließe sich auch auf die Situation in Freiburg übertragen. Schaut man von einem der umliegenden Berge hinab ins Tal, stellen sich die Auswucherungen die Stadt wie ein Krebsgeschwür ins Umland hinein dar. Und dabei hätte es sogar noch schlimmer kommen können, wäre es nach dem alten OB Böhme und der alten Gemeinderatsmehrheit geqangen. Heute versucht die Stadt, verstärkt durch Verdichtung und Bebauung innerstädtischer Freiflächen dem Zuzugsstrom Quartier zu geben. Wertvolles Stadtgrün wird dabei leider auch der Bebauung geopfert, wie auf der Zähringer Halde, auf dem Schlierberg oder in St. Georgen. Bürgerproteste konnten die schlimmsten Auswüchse der geplanten Bebauung der Schönbergwiesen verhindern. Ob dies auch in Zukunft noch gelingt ist fraglich, Kritiker befürchten hier eine ähnliche Entwicklung wie an der Bergstraße südlich von Heidelberg. Wenn es in diese Richtung ginge, wäre das "Toskana-Image" Freiburgs endgültig ruiniert.
Dem Wachstum der Stadt scheint offensichtlich eine Stagnation bei der Entwicklung der sozialen Strukturen gegenüberzustehen. Wie ist es sonst zu erklären, daß Freiburg in Sache Kriminalität ganz an der Spitze im Musterländle steht?
Viele Zuzügler schätzen Vauban völlig falsch ein. Sie kommen mit idealisierten und überzogenen Vorstellungen vom Öko- und Kinderparadies hierher und sind dann herb enttäuscht, wenn die schönen Bilder im Kopf wie Seifenblasen zerplatzen. Zur besseren Beurteilung sei hier drum auch einmal etwas Kritisches zu Vauban gesagt: Vauban ist beispielsweise nicht autofrei, wie das in den Medien und einigen Köpfen noch herumgeistert. Im Alltag des Quartiers sind sogar reichlich viele Autos präsent – zuviele eigentlich, um sich mit dem Label 'Modellstadtteil' schmücken zu können. Das liegt an der Flut der Lieferanten- und Dienstleistungsfahrzeuge und auch an einer recht hohen Zahl von BewohnerInnen, die ein eigenes Auto nutzen und es oft auch in den Straßen herumstehen lassen, anstatt es in einer Quartiersgarage abzustellen.
In Vauban sitzt man sich eng auf der Pelle. 5000 Menschen sind auf 21 ha eingepfercht. Das geht nur mit verdichtetem Bauen. Besonders in den Vierteln "In den Schluchten", "Im nassen Dreieck" oder "Im Durchzug" stellt sich das Sardinenbüchsengefühl ein. Dort sind dann auch meist die ansonsten unterrepräsentierten Sozialwohnungen gebündelt, was einer Ghettoisierung Vorschub leisten könnte. Rattert der Güterzug in der Astrid-Lindgren-Straße nachts nur 10 Meter entfernt am Bett vorbei, bleibt das mittel- bis langfristig nicht ohne Auswirkung auf die psychische und physische Konstitution. In punkto 'Sozialer Brennpunkt' wird in Vauban auch heute schon einiges geboten: alkoholisierte Jugendliche ziehen bevorzugt am Wochenende mehr oder weniger auffällig durchs Quartier. Es sind nicht unbedingt die ansässigen, die sich über SMS oder Internet zur Party im 'Modellstadtteil' verabreden. Gäbe es ein Konzept der Stadt, wie Jugendliche in Bildung, Freizeit und Beruf betreut und gefördert werden könnten, müßte es sicher nicht so häufig zur Eskalation mit Polizei und Bürgern kommen.
Wer das anonyme Leben in der Großstadt gewohnt ist, wird sich in Vauban schwertun. Hier lebt es sich in dieser Hinsicht wie auf einem Dorf. Man kennt sich und der Dorftratsch zieht von einem so einiges durch den Kakao, man lernt dabei von sich völlig neue Seiten aus der Sicht von anderen kennen. Das ist durchaus unterhaltsam – für diejenigen, die sowas mögen!
Mittlerweile hört man von anderen Modellprojekten, die konsequent ökologischere Standards aufweisen. Zum einen wäre das eine Alternative, andererseits – warum eigentlich überhaupt von zuhause wegziehen? Warum nicht im eigenen Wohnumfeld sich für Veränderungen engagieren? Hier in Freiburg fiel den Bürgern auch nichts in den Schoß. Viele angenehme Errungenschaften in Vauban wurden mühsam erkämpft und es zeichnet sich ab, daß dies auch in Zukunft so sein wird. Trotzdem allen, die fest entschlossen sind und sich nach hier aufgemacht haben, ein herzliches Willkommen! [Beitrag vom: 12.05.2008 10:51 geändert durch: ande am: 12.04.2009 08:48] |
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