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Thema: Konflikte im Vauban - Ungutes Gefühl |
hagbardt 17.06.2008 |
In der letzten Vauban actuel stand ein Aufruf durch „Stadtteilspaziergänge“ Präsenz zu zeigen und damit die Entstehung von „No-Go-Areas“ zu verhindern. Ich weiß, dass das –höchstwahrscheinlich – nicht gemeint ist, aber bei mir kommt da „Bürgerwehr“ an. Ich bin auch genervt, wenn Jugendliche, Kinder, Grillgruppen,… lärmen, wenn ich schlafen möchte. Das Beschmieren von Häusern finde ich auch nicht gut. Genauso wenig gut finde ich es allerdings, wenn z.B. beim SUSI-Sommerfest (Um jetzt Vorurteile vorwegzunehmen, ich wohne nicht in der SUSI.) um 20 Uhr die Polizei auf der Matte steht, da sich Anwohner beschwert haben es könne ab 22 Uhr eine Ruhestörung drohen. Klingt sonderbar, ist aber genau so geschehen.
Als relativer Neu-Vaubanes, Neu-Freiburger; Neu-Badener mag es mir am kulturellen Verständnis fehlen, aber ich finde, dass wir uns hier nahe an der Grenze zur Hysterie bewegen. Wir leben in einem sehr verdichteten Stadtteil und es wir noch viel schlimmer werden. Wir leben in einem Modell-Stadtteil, aber wir sind – zum Glück – nicht alle Modell-Menschen. Wenn ich manchmal höre, „Da kommen schon wieder die Jugendlichen aus den anderen Stadtteilen, um hier Radau zu machen.“, dann mag darin Wahrheit stecken, aber auch eine gehörige Portion Feindbild und das macht das Leben im Vauban für mich auch deutlich unattraktiver. Manchmal habe ich den Eindruck einige Leute glauben sie würden sich hier in einem Bürgerkriegsgebiet bewegen. Ich fände einen entspannten Blick auf die Konflikte hilfreich. Besonders, weil sie noch zunehmen, wenn all die „lieben Kinder“ zu „pubertierenden Monstern“ werden. |
groelli1 Experte 18.06.2008 |
Ich denke, zwischen "Präsenz zeigen" (statt sich zu verstecken) und "Bürgerwehr" ist eine sehr weite Spanne. Warum immer gleich die Extrem- Polarisierung?
Solche "Spaziergänge" zeigen gut , aber unaufdringlich und unprovozierend, dass diese Plätze allen gehören. Dadurch kann sich mancher Polizei- Ruf erledigen. |
Kaliope Neu hier 20.06.2008 |
Hallo,
Hagbard ist nicht der einzige, bei dem der Aufruf die Assoziation "Bürgerwehr" erweckte. Abgesehen von dieser üblen Konnotation, spricht der Aufruf auch von erschreckender Ahnungslosigkeit (die btw. ein Großteil der selbsternannten "Jugendarbeiter" in diesem Viertel zu teilen scheinen).
Man nimmt zwar jeden Beat, der aus einem der mitgebrachten Geräte schallt weitaus deutlicher wahr, als das Kindergeplärr spätabends der eigenen lieben Kleinen, aber differenziert in keinster Weise das, was man so vereinfachend "die Jugendlichen" nennt.
Diejenigen, die auf dem Paula-Modersohn-Platz die Anwohner zwingen, die Polizei zu rufen sind GANZ GEWISS nicht diejenigen, die sich durch die Präsenz eines spazierenden Ökos zu irgendwas bemüssigt sehen. Wer von "den Jugendlichen" geht, weil ein Erwachsener naht, ist nicht der, der mit "den Jugendlichen" gemeint ist. Von denjenigen, die nicht gehn, riskiert der unbedarfte Spaziergänger nämlich unter Umständen eins in die Fresse, manche von denen gehn sogar gegen Polizeibeamte an. (Ich wohne dort, ich beobachte es sehr häufig UND ich kann sagen, es sind wenige die SO drauf sind.) Diesen wenigen gestattet man - hier im Forum und auch draussen in den Strassen - das Bild "der Jugendlichen" zu definieren. Differenzierung ist die Grundlage allen Denkens, beim Betrachten des gerade wachsenden Feindbildes, setzt dieser Vorgang anscheinend in vielen aus.
Mein 18-jähriger Sohn lebt mit mir seit 8 Jahren hier. Er hat sein gesamtes ausserschulisches Leben mittlerweile ausserhalb von Vauban, aufgrund gemachter Erfahrungen mit Leuten, die so denken, wie der "Bürgerwehr"-Aufrufer. Und das sind viele, sehr viele. Leute, für die Lärm nur ist, was von Jugendlichen kommt, Leute, für die Alkohol nur dann ein Thema ist, wenn er nicht in schön geformten Gläsern auf ihren selbstgebauten Terrassen genossen wird, Leute, die so bürgerlich-verbiestert in die Welt sehen, wie "wir" es doch nur von unseren Eltern kannten, Leute, für die Freiheit nur dann existiert, wenns rundum leise ist, und sauber und .. unter Aufsicht des Haus- wahlweise Viertelwarts. Leute, die Jugendliche photographieren, um sie der Polizei zu denunzieren, Leute, die Schaukeln anketten, damit kein Jugendlicher unbefugt tut, was nur den eigenen lieben Kleinen zusteht .. usw. .. usf. ... in 8 Jahren hat sich da einiges angesammelt.
Das Fazit meines Sohnes ist: hinten beim Altersheim, dort wo die wirklich "Alten" wohnen, geht man wesentlich toleranter mit den Jugendlichen um als dort, wo die "Junggebliebenen" wohnen. Dort stört kein falsch geparkter Roller, man entschuldigt sich, plaudert ein bisschen. Man nimmt seinen Müll z.b. mit, laut eigener Aussage, man hört die Musik leise. Weil, so die Begründung, die Leute dort wären so nett. Aufm Gelände selber würde man ja eh angepisst, ob mit oder ohne Müll, ob mit oder ohne Lärm. Daraus entsteht der Gedanke im 18-jährigen eigentlich nachvollziehbar: Ihr wollt uns nicht haben, dann nehmt wenigstens unsren Dreck."
Erstaunliches Fazit, finde ich. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Statt Bürgerspaziergänge, wie wäre es, mal einem Jugendlichen ins Gesicht zu sehen, ihn damit rauszuholen aus der feindlichen Masse "die Jugendlichen"? Sie sind nämlich unterschiedlich, unsere ... Kinder ... und unsere sind es auch, wenn sie ogottogott .. aus anderen Stadtteilen kommen, findet ihr nicht?
Kaliope
[Beitrag vom: 20.06.2008 14:28 geändert durch: Kaliope am: 20.06.2008 14:29] [Beitrag vom: 20.06.2008 14:29 geändert durch: Kaliope am: 20.06.2008 14:31] |
ande Administrator 21.06.2008 |
Ich sehe auch einen großen Unterschied zwischen Bürgerwehr und Abendspaziergängen.
Warum sollen sich nicht nach wie vor Jugendliche abends am Modersohnplatz verabreden? Und warum sollen nicht gleichermaßen ältere Semester sich dort auch mal verabreden? Doch um Himmels willen nicht um Streit vom Zaun zu brechen - das kann ich mir so oder so nicht vorstellen.
Warum keinen Abendspaziergang? Wäre jemand in der Gruppe der Spaziergänger aggressiv, würde ich dem gleichermaßen entgegentreten wie flaschenschmeißenden (wenns denn sowas gibt) Jugendlichen.
Es haben ja auch Leute die haben den wilden Parkplatz daneben verschönert - wenn man jetzt eine ähnliche Logik anwenden würde wie beim Vergleich Spaziergang - Bürgerwehr, dann ist die Parkplatz-Aktion in Wirklichkeit ein Aufruf Autos anzuzünden?!?
Bitte Maß behalten, würde ich sagen.
[Beitrag vom: 21.06.2008 23:41 geändert durch: ande am: 21.06.2008 23:41] |
hagbardt 22.06.2008 |
Um jetzt keinen falschen Ton in die Diskussion zu bringen. Ein Abendspaziergang durchs Vauban hat selbstverständlich nichts mit Bürgerwehr zu tun.
Was für mich in dem kurzen Artikel rüberkommt, ist aber mehr als ein Aufruf zum Spaziergang. Es wird eine Drohkulisse "No-Go-Area" auf gebaut. Es wird von "Präsenz zeigen" gesprochen was für mich sehr - da kann ich nichts dran ändern - nacht Patrouille klingt. Das ist natürlich auch noch keine Bürgerwehr, aber auch längst kein "harmloser Spaziergang" mehr. Also schließe ich mich Ande an, in den Formulierungen Maß behalten.
[Beitrag vom: 22.06.2008 01:27 geändert durch: hagbardt am: 22.06.2008 01:28] |
ande Administrator 24.06.2008 |
Ich hab das mit den "No-Go-Areas" so verstanden daß wir es nicht so weit kommen lassen sollten, daß wir uns nicht mehr trauen, nachts über den Modersohn-Platz zu gehen, weil dort ein paar flaschenwerfende, grölende oder schlimmere Idioten rumlungern.
Dem stimme ich zu.
Ich denke tatsächlich so ein Spaziergang könnte vielleicht was ändern, - man sieht vielleicht wer dort immer wieder zu finden ist.. und die (meist) Jungs fühlen sich ein bißchen beobachtet und damit wohl auf Dauer ungemütllich. Man müßte halt um ein- oder zwei Uhr nachts mal vorbeigucken, das ist das Problem...
Das größte Problem finde ich ich Konzeption des Platzes: Der ist einfach eine Totgeburt, bis auf die Skater tagsüber. Und es ist doch längst bekannt daß sich diese Leute anonyme Orte aussuchen. Letztenendes wollen sie stören, aber nicht gestört werden. Irgendwie gestört. Und Baseballkappen und weiße Klamotten scheinen enorm in Mode zu sein!
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christoph.besemer Neu hier 27.06.2008 |
Erste Erfahrungen mit Abendspaziergang im Vauban
Am Fr. 20.6.08 trafen sich ab 22 Uhr sieben Menschen auf dem Paula-Modersohn-Platz, die dem Aufruf zu "Stadtteil-Spaziergängen" im Vauban actuel gefolgt waren. Ziel dieser Aktion ist es, durch regelmäßige Präsenz und Kontaktaufnahme den nächtlichen Auswüchsen dort - und anderswo im Quartier - ohne Repression und Gewalt entgegen zu wirken. Was sich als hilfreich herausstellen wird und was nicht, wird sich in der Praxis zeigen.
Dieser erste Abend war jedenfalls ereignisreich und macht Mut und Lust zu weiteren Spaziergängen.
Was hat sich an diesem warmen Sommerabend getan?
- Vorbeigehende BewohnerInnen waren erstaunt, dass sich auf dem Platz auch Erwachsene aufhalten und kamen mit ihnen ins Gespräch.
- Die Gruppe der "Spaziergänger" tauschte sich untereinander über die eigenen Erfahrungen in verschiedenen Teilen des Vaubans aus.
- Eine größere Gruppe von Jugendlichen hatte sich - schon bevor die Erwachsenen kamen - auf dem Durchgang von der Schule zum Kindergarten aufgehalten. Kurze Zeit später gab es einen Polizeieinsatz, gleich danach kam auch ein Krankenwagen angefahren. Die Polizisten vertrieben die Jugendlichen in recht rüdem Ton von diesem Platz und nahmen ein Mädchen zur Alkoholkontrolle mit. Der Krankenwagen war vorsorglich von der Polizei (?) gerufen worden, konnte aber "tatenlos" wieder abziehen. Die Polizisten hatten die Jugendlichen offenbar zuvor bereits vom Platz vor dem Kindergarten vertrieben und waren deshalb sehr erregt. Die Jugendlichen ebenfalls, weil sie es "Scheiße" finden, überall und in dieser Manier überwacht und vertrieben zu werden.
- Es ergaben sich längere Gespräche mit Teilen der Clique, die Aufschluss gaben über die Situation, das Erleben und die Motive der Jugendlichen. Es wurden auch Ideen geäußert, was man tun könnte, um die Situation zu entspannen.
- Später, als die Gruppe der "Spaziergänger" sich untereinander austauschte und sich über das weitere Vorgehen unterhielt, kamen ein paar andere Jugendliche, die nicht an den vorhergehenden Gesprächen beteiligt waren: Sie fühlten sich beobachtet, sagten sie, und man sollte mit ihnen reden, wenn man etwas von ihnen wolle. Sie vermuteten auch, dass die Polizei von den Spaziergängern gerufen worden waren. Das ergab ein längeres Gespräch, in dem klargestellt wurde, dass die Spaziergängergruppe die Polizei nicht gerufen hatten, vielmehr ein Interesse daran hat, eine Verbesserung der Situation für ohne Ausgrenzung und Gewalt zu erreichen. In diesem Gespräch wurden verschiedene negative Erfahrungen von Jugendlichen mit Anwohnern und von AnwohnerInnen mit Jugendlichen zum Teil hitzig, aber doch fair erzählt und diskutiert.
- Die Jugendlichen beteuerten, dass man mit ihnen "normal" reden könne und sie dann auch Rücksicht nehmen würden (solange sie noch nicht zu sehr alkoholisiert seien). Der Versuch, das gleich auszuprobieren gegenüber einem Jugendlichen mit laut eingestellter Musik, klappte tatsächlich.
- Die Gruppe der Spaziergänger ist nach diesen Erfahrungen motiviert, weiterhin ab und zu nächtliche Präsenz zu zeigen, wünscht sich allerdings Verstärkung. Ziel ist es, die Spaziergänge über einen längeren Zeitraum am Wochenende aufrecht zu erhalten.
Wer Lust hat, dabei mitzumachen, wende sich bitte an die Quartiersarbeiterin Patricia de Santiago (Tel. 45687134, santiago(at)vauban.de). Sie koordiniert die weiteren Spaziergänge.
Christoph Besemer
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ande Administrator 04.07.2008 |
Ich würde sagen: Klasse! Geht doch! Danke, Christoph - werd gleich auch mal vorbeigucken.. |
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