Forum-Hauptseite | 2018 Beiträge, 530 Benutzer,
347 Termine | Statistik
| FAQ
Wählen Sie aus diesen Kategorien:
| Forum: Allgemeines Forum,
moderiert von: ande |
| |
zu Themen auf dem Vauban. Hier sind alle willkommen, mitzureden...
Bitte Kleinanzeigen nicht hier, sondern in das dazu vorgesehene Forum eintragen! |
|
| |
|
|
| |
In dieses Forum können nur registrierte Benutzer des Forumsystems schreiben. |
|
|
|
|
| Absender |
Thema: Vaubans letzte Ruderalflächen verschwinden |
eRichLutz Großmeister ;-) 02.10.2010 |
Unbebaute Grundstücke sind aus der Sicht des Bebauungsplanes ja so eine Art von Nichts. Auch manche Zeitgenossen halten sie für Nichts und nutzen die Gelegenheit, lästig gewordene Dinge dort verschwinden zu lassen. Die Natur dagegen kennt kein Nichts sondern sieht in diesen Räumen Möglichkeiten. Es ist erstaunlich, wie sich z.B. die Fläche an der Clara-Immerwahr-Straße, wo der "Südbahnhof" geplant ist, in den letzten Jahren botanisch entwickelt hat.
Wo der Passant mit flüchtigem Blick nur "Unkraut" wahrnimmt, lohnt es sich, einmal genauer hinzuschauen: Klatschmohn, Margeritten und bunte Vicken fallen sofort ins Auge. Aber auch Neophyten wie Feinstrahl, Kanadische Goldrute und Japanischer Knöterich breiten sich aus. Diese vom Menschen neu eingeschleppten Pflanzen verdrängen einerseits die heimische Flora, bieten aber vielen Insekten – man hört das Summen der Bienen – eine wichtige Nahrungsgrundlage. Zwischen "Allerweltskräutern" wie Beifuß, Melde und Kratzdistel verbergen sich aber auch kleine Schmuckstücke wie Odermennig, Eisenkraut, Zaunrübe, Johanniskraut, Ehrenpreis, Flockenblume, Wegwarte, Blutweiderich, Weidenröschen, Leinkraut, und Geißraute. Die bunte Vielfalt ist eine Folge des unbewußt vielseitig gestalteten Geländes: Es gibt feuchte Senken, magere Kiesbänke, Sandablagerungen, Böschungen und Anschüttungen mit Oberboden.
An der Ecke Wiesentalstraße, Merzhauser Straße gibt es neben den dröhnenden Planierraupen gerade noch einen großen Bestand mit blühendem Wasserdost – eigentlich unvermutet in dieser trockenen Steppe. Aber Vaubans hoher Grundwasserstand macht es möglich!
Die letzten großen Ruderalflächen werden nun bald infolge des Baubeginns verschwunden sein. Was für Stadtkasse, Architekten und zukünftige BewohnerInnen einen Gewinn darstellt, ist ökologisch betrachtet ein herber Verlust. Denn die vielerseits als unnütz bewerteten Ruderalpflanzen sind Lebensraum und unverzichtbare Nahrungsgrundlage vieler Käfer, Wildbienen und Schmetterlingen. Etliche davon sind gefährdet. Nun werden manche vielleicht einwenden, ein schöner Vorgarten am Haus wird gegenüber einem "leerstehenden" Grundstück doch eine Bereicherung darstellen. Ja und Nein. Eine Grünfläche mit Rasen, Gartenblumen und Koniferen ist aus ökologischer Sicht eine Einöde, weil hier für Tiere fast nichts zu holen ist: Kein Nektar, keine Insekten, keine Vögel! Ein naturnah gestalteter Garten, wo auch Wildblumen willkommen sind, kann dagegen zu einem wichtigen Ersatzlebensraum werden.
Wildblumen, wie sie auf Vaubans Ruderalflächen vorkommen (vorkamen), können Sie auch im Internet kennenlernen:
http://www.naturconcept-eco.de/service/wildblumen.php
Für eine ökologisch orientierte Stadtplanung wäre es wünschenswert, daß Ruderalflächen nicht als Zufallsprodukt existieren, sondern über die Landschafts-, Stadt- und Raumplanung gesteuert werden, daß man ihnen den Wert zubilligt, den sie in einem funktionierenden Naturkreislauf haben. [Beitrag vom: 30.07.2008 13:11 geändert durch: eRichLutz am: 02.10.2010 22:31] |
- Nutzer gelöscht - Experte 13.08.2008 |
Wie wäre es mit einer Künstlichen Anlegung eines soclehn "Biotops", beispielsweise statt einer der Vielen Grünspangen? |
ande Administrator 16.05.2010 |
Auf einigen der Grünspangen befinden sich genau solche Biotope, z.B. in der Grünfläche mit den grossen Bäumen gibt es "Hecken" von Ästen und Grünschnitt, die man extra dort verrotten läßt um z.B. Insekten das Überleben zu ermöglichen. Gerade Erich hat dazu beigetragen, und dem Amt für Stadtgrün ist seit über 20 Jahren Naturschutz ein grosses Anliegen. Soweit ich weiß nutzen sie nirgends Chemie oder Dünger. |
|