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Thema: Vauban erstickt im Autoverkehr |
eRichLutz Großmeister ;-) 08.08.2008 |
Vauban sollte autofrei sein – das war eine Idee von Aktivisten der ersten Stunde. In der Politik hat aber meist nur der kleinste inhaltliche Nenner eine Chance, und so bescherte der Gemeinderat dem Modellstadtteil ein autoreduziertes Verkehrskonzept mit vielen faulen Kompromissen: Entlang den Durchgangsstraßen wurden zahlreiche Parkplätze eingerichtet, die natürlich auch Autos ins Zentrum des Quartiers ziehen; vernünftig wäre es gewesen, daß es Stellplätze nur in den großen Sammelgaragen in der Peripherie gibt, stattdessen verfügen viele Häuser über eigene Parkplätze und Tiefgaragen.
"Einmal am Tag kommt das Paketauto" – so verniedlichend stellten sich die Planer den Lieferverkehr vor. In der Realität ergießt sich heute eine wahre Flut von Dienstleistungs-KFZ: Fünf Paketdienste, drei verschiedene Tiefkühlketten; Speiseresteverwerter, Windelservice, Fahrstuhlservice, Grünpflege, Handwerker so ziemlich aller Branchen, Taxis, Kinderfahrdienst, Getränkehandel, Tierfänger, Müll und Biotonne – die Aufzählung ist aber beileibe nicht vollständig. Wäre das nicht schon genug Verkehr, quält sich auch nach 10 Jahren immer noch ein beträchtlicher Suchverkehr durch die Wohnhenkel. Die Stadtplaner haben es schlicht versäumt, ein Infosystem einzurichten, damit sich Ortsunkundige im komplizierten Straßensystem zurechtfinden.
Die Kontrolle von Regelungen kann durchaus hilfreich sein: ob jemand etwa ein Auto illegal nutzt, wurde kaum verfolgt, Falschparken wird auch heute nur sporadisch geahndet, ungestraft kommt auch weg, wer durch verkehrsberuhigte Zonen rast; Anwohner klagen über Mopedralleys nach Mitternacht durch Grünspangen und über Fußwege.
Heute unterscheidet sich Vauban im Verkehrsaufkommen kaum noch von einem anderen Stadtteil in Freiburg. Und es kommt noch schlimmer: Die neuen hochverdichteten Baukomplexe an der Astrid-Lindgren-Straße, an der Wiesentalstraße, am Eingang an der Vaubanallee und hinten rund ums Dreiecksgrundstück – allesamt mit individuellen Tiefgaragen ausgestattet – blähen die Blechlawine, die sich täglich durchs Quartier quält, weiter auf. Das hat Konsequenzen für die Sicherheit der Kinder auf der Straße, auf die Luftqualität und auf die Lärmsituation!
Daß nun die Stadt Freiburg auf der EXPO in Shanghai ausgerechnet das Mobilitätskonzept von Vauban der Weltöffentlichkeit präsentieren will, erscheint fast als ein schlechter Witz. Vauban ist in vielen Dingen einfach prima, wie bei der Bürgerbeteiligung oder dem umweltfreundlichen Bauen beispielsweise. In punkto Verkehr ist der Modellstadtteil leider aber ein Beispiel für vertane Möglichkeiten. Zu viele Kommunalpolitiker, die sich von ihrer Windschutzscheibenperspektive nicht freimachen konnten und können, zu wenige in der Verwaltung, die sich trauen, sich für eine gute Sache zu exponieren.
Einige haben sich das mit dem Verkehr anders vorgestellt und sind bereits weggezogen. Soll man Vauban dem Autoverkehr aber so einfach überlassen? Ich meine nicht. Die Zahl derer, die sich in Vauban weniger Verkehr wünschen, dürfte groß sein. Wie jedoch schon die Erfahrung mit dem Marktplatz und dem Stadtteilzentrum zeigt, gibt es nichts geschenkt. Die VaubanlerInnen müßten sich für mehr Verkehrsberuhigung engagieren. Das wäre doch ein lohnendes Unterfangen! |
christian 12.08.2008 |
Bei diesem Thema sprichst du mir aus der Seele.
Es wird Zeit, dass die fehlende Unterstützung, ja sogar die Be-(Ver-)hinderung des ursprünglichen Verkehrs-Konzeptes seitens der Stadtverwaltung (wieder einmal) thematisiert wird !! |
groelli1 Experte 12.08.2008 |
Zu dem großen Rundumschlag von eRich möchte ich vorerst nur zum Dauerthema Parksituation Stellung nehmen (siehe dazu auch Forumbeiträge "Stadt schädigt gutes Image von Vauban" und "Gestapomethoden des Autofreivereins").
Was mich höllisch stört, ist der dauernde Ruf nach der Stadtverwaltung, die hier tätig werden solle. Die Dauer- Parkbetrüger sind aber die lieben Nachbarn, die sich mit kreativen Ausreden die 18000 Euro Stellplatzkosten sparen. Warum zeigt die nicht jeder Bewohner, der sich gestört fühlt, bei Autofreiverein und Stadt an? Dann muss das Rechtsamt der Stadt mal die Hosen runterlassen, ob sie das Konzept juristisch durchsetzen kann. Aber solche Anzeigen passen natürlich nicht in die Bussi- Gesellschaft der gehätschelten Nachbarschaftsidylle.
Auch mich hat zuerst gewundert, dass auf der Insel ("Limette- Haus") Autostellplätze sind; aber warum sollen die da nicht sein, wenn gegenüber die Susi- Leute ihre Autos auch auf ihrem Grundstück abstellen dürfen? Es war auch lange klar, dass in Randbereichen (z.B. Astrid- Lindgren- Str.) Stellplätze oder Tiefgaragen auf dem Grundstück erlaubt sind, also jetzt nicht darüber aufregen.
Ich befürchte, der richtige Hammer kommt erst in 5 - 10 Jahren, wenn die Jetzt- Jugendlichen sich Autos zulegen, und die Eltern keine 18000 Euro für einen Garagenplatz lockermachen; mal sehen , wo diese Zusatz- Autos dann stehen...
Ich freue mich jedenfalls über das Glück, in einer Wohnstraße zu leben,in der sich die Anwohner weitestgehend an das Nicht- Autoabstellen halten. |
eRichLutz Großmeister ;-) 14.08.2008 |
Vauban ist halt kein autonomer Selbstverwaltungsbezirk. Drum sind die staatliche Stellen, in dem Fall die Stadt, für die Durchsetzung sinnvoller Regelungen zuständig. Ich hätte auch keine Lust, mich mit Nachbarn über ihr Fehlverhalten in Bezug auf Auto zu streiten. |
groelli1 Experte 14.08.2008 |
nee, eRich, du sollst keine sinnlosen Diskussionen mit den lieben Nachbarn führen, sondern die Fakten dem Autofreiverein und der Stadt melden; nur mit konkreten (das heißt leider : gerichtsverwertbaren) Fakten kann die Stadt was unternehmen. Wenn du das nicht willst, beschwer dich auch nicht.
Zum (nicht)selbstverwalteten Stadtteil: Überleg mal, wer das Thema aufgebracht hat, dass die Stadt (wer ist das?) hier nichts zu sagen hätte? Ist halt eine bestimmte hier lebende Klientel; manche meinens ernst, manche meinen nur, ihre vergangenen Autonomieträume aus dem letzten Jahrtausend damit kolportieren zu müssen. |
groelli1 Experte 03.09.2008 |
Benutzer lamartine schrieb am 02.09.2008:
[quote]
Das Anzeigen von Nachbarn, die sich "durchmogeln" kommt meines Erachtens aus vielerlei Gründen nicht in Frage - schließlich lebt man hier im Allgemeinen ganz gut zusammen.
Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass....Stören dich die Autos der lieben Nachbarn weniger als die der Süden- Besucher? |
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