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Absender Thema: VIVRE ENSEMBLE AUTREMENT - Vauban-Kapitel im neuen Buch von Pascale d'Erm
wagnerha
Experte
30.10.2009
Soeben ist im Verlag Ulmer in Paris das Buch „Vivre ensemble autrement“ erschienen. Die Autorin Pascale d’Erm und der Fotograf Patrick Lazic waren für drei Tage rund um das Stadtteilfest 2009 zu Gast im Vauban und widmen unserem Stadtteil 24 Seiten in ihrem Buch. Zuvor hatten sie fünf „écovillages“ in Italien, Belgien und Frankreich besucht, die sie ebenfalls ausführlich beschreiben. Ihr literarisches und fotografisches Interesse gilt weniger der modernen Technologie und Architektur, sondern eher dem "sozialen Miteinander" in den sechs besuchten Ökovierteln und –dörfern.

So dokumentieren sie in Text und Bild die historische Rolle der S.U.S.I. und der Pioniere des Forum Vauban. Sie sind beeindruckt davon, wie positiv sich das autoreduzierte Verkehrskonzept auf das soziale Miteinander und die Kinder auswirkt. Besonderes Augenmerk legen sie auf die Geschichte und das Leben in den Baugruppen und finden, dass diese für die soziale Integration zwischen den Familien und Generationen eine wichtige Rolle spielen. Das Projekt „Wohnen und Arbeiten“ mit seiner Pionierrolle für den Bau von Mehrfamilien-Passivhäusern und die Vorreiterrolle für die Akzeptanz der Passivhaus-Kultur weit über das Vauban hinaus finden sie bemerkenswert.

Beide wollten selbst kleine Erfahrungen mit dem Leben im Vauban sammeln, daher haben Elsa Ghesiel, Hélène Le Pargneux, Franz Held und ich sie bei ihren Erkundungen im Stadtteil begleitet. So nahmen sie an dem seit zehn Jahren bestehenden gemeinsamen Mittagstisch in der Baugruppe „Triangel“ teil und bekamen mit, wie das Reihum-Kochen-und-Bekocht-werden entlastet und zusammenführt. Mit Franz Held besuchten sie die Wohngruppen „ ARCHE“ und „WOGE“ im Sonnenhof, wo ihnen deutlich wurde, dass das Vauban nicht nur für „Privilegierte“ da ist, sondern auch für finanziell weniger Bemittelte und Kranke sorgt. Sie groovten mit im Singkreis „Come Together Songs“ in den Kleehäusern und verbrachten einen langen Abend mit Bewohnern der Paul-Klee-Straße am Lagerfeuer. In beeindruckenden Fotos wurden diese Momente von Patrick eingefangen.

Pascale macht sich zum Abschluss des Artikels Gedanken, wie man in dem am dichtesten besiedelten Stadtteil Freiburgs seine Privatsphäre wahren kann. Ihre subjektive Außenwahrnehmung dazu teilt sie dem Leser wie folgt mit (Übers. wagnerha):

„In diesem regen gemeinsamen Zusammenleben , wo man im Nu mitbekommt, ob der Nachbar wieder aus dem Urlaub zurück ist, wo die Menschen ohne Vorhänge vor ihren Fenstern leben – wie schaffen es die Bewohner des Vauban, ihre Privatsphäre zu wahren? Zum einen scheint sich die sehr leistungsfähige Schallisolierung (der Gebäude) zu bewähren. Damit scheinen sich die Nachbarschaftskonflikte, die für eng bebaute Stadtteile so typisch sind, zu verringern. Zum anderen setzen die Bewohner sich selbst Grenzen und wissen mit der Zeit instinktiv, ob ihr Nachbar auf dem gleichen Stockwerk für einen kleinen Schwatz offen ist … oder nicht. Von ihrer kulturellen Prägung her lieben die Bewohner des Vauban ihre Freiheit. Daher sind sie sehr darauf bedacht, die sozialen Zwänge zu vermeiden, die man zum Beispiel in Dörfern oft antrifft. Das Vauban ist ein entschieden städtisches, avant-gardistisches, freischärlerisches (franc-tireur) und anti-konformistisches Viertel.“ (S. 94).

Das Buch und der Vauban-Artikel sind weit mehr als eine sachliche Öko-Dokumentation. Pascale reflektiert ihre subjektiven Eindrücke und schreibt mit feiner Beobachtungsgabe aus der Distanz, vergleicht ihre Eindrücke im Vauban mit ihrem hektischen Leben in der Mega-City Paris und mit der Idylle in den Ökodörfern. Als Mitarbeiterin von Yann Arthus-Bertrand (Film: HOME) und engagierte Autorin mehrerer Umwelt-Bücher zeichnet sie ein „schönes“ Bild von Vauban, das unserer Selbstwahrnehmung im Detail natürlich nicht entsprechen kann. Dennoch ein Buch, das für Frankophone, vor allem aber auch für Besucher und Öko-Touristen aus Frankreich empfehlenswert ist – und Diskussionen sehr anregen wird. Und eine gute Ergänzung zur französischsprachigen Broschüre „Quartier Vauban Fribourg“, die im Büro der Quartiersarbeit, bei Benny, beim Papiertiger, bei Ken Active und im Kirchenladen erhältlich ist.

Das Buch ist in der Collection „Nouvelles Utopies“ erschienen, eine Beschreibung ist hier zu finden: http://www.editions-ulmer.fr/html/livre.php?=SID&id_livre=241. Ausschnitte aus dem Buch können als PDF heruntergeladen werden: http://www.editions-ulmer.fr/img/doc/1252685646.pdf.

Monika Hönig hält das Buch ab nächster Woche in der Buchhandlung KenActive, Vaubanallee 21, Tel. 2171-876 vorrätig.

Rezensent: Hartmut Wagner

[Beitrag vom: 30.10.2009 17:41 geändert durch: wagnerha am: 30.10.2009 19:51]
 
04.02.2012, 03:51 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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