www.vauban.de: Stadtteil Vauban, Freiburg Impressum | Wegweiser | English | auf www.vauban.de  
  Informationen   Karten   Forum   Aktuell   Termine   Angebote   Adressen   Suchen  
Forum-Hauptseite | 2019 Beiträge, 531 Benutzer, 347 Termine | Statistik | FAQ

Als Benutzer: mit Passwort: (Beim nächsten Besuch automatisch)

Ich habe mein Passwort vergessen | Ich möchte mich als neuer Benutzer registrieren

Wählen Sie aus diesen Kategorien:

Öffentliche Foren   Interne Foren
Unter der Kategorie Öffentliche Foren sind folgende Foren eingerichtet:
AK Verkehr   Allgemeines Forum   Kleinanzeigen   Newsletter Vauban   Pressespiegel   vauban actuel
Forum: Pressespiegel, moderiert von: ande, wagnerha
  Hier kommen alle Pressemeldungen übers Vauban rein, seien sie aus der BZ oder woanders her...
Mit freundlicher Genehmigung der BZ für ihre angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mit freundlicher Genehmigung einzelner freier Redakteure.
Wer hier einen Artikel zu Unrecht archiviert sieht, möge sich bitte melden, dann nehme ich ihn raus. Wir sind erwachsene Menschen und brauchen keine Abmahnungen.
 
   
  In dieses Forum können nur Moderatoren und Administratoren schreiben.  
 
Absender Thema: Frankfurter Rundschau-Artikel übers Vauban
ande
Administrator
02.07.2002
Ein guter Nachbar fährt keinen Porsche

Freiburg zeigt mit dem neu gebauten Stadtteil Vauban, wie das Wohnen in der Zukunft aussehen könnte

Von Heike Leitschuh-Fecht

Was ist eigentlich ein "nachhaltiger" Stadtteil? Freiburg wollte es genau wissen und wagte ein riskantes Projekt. Eine ehemalige Garnison verwandelt sich in eines der innovativsten Bauprojekte Deutschlands. Kaum Autos, viel Ökologie und eine stabile soziale Gemeinschaft, das sind die wichtigsten Ziele.

"Manchmal fühlen wir uns hier wie im Zoo", so kommentiert Norbert Schöler, der mit seiner Familie seit Sommer 1999 im neuen Stadtteil Vauban in Freiburg im Breisgau lebt, das große Interesse aus dem In- und Ausland an diesem Neubaugebiet. Wenn die vielen neugierigen Blicke manchmal auch ein wenig nerven, so nehmen die mittlerweile rund 2500 Bewohner diese kleinen Belästigungen gerne in Kauf, wissen sie doch, dass sie in einem Stadtteil leben, dessen höchst ungewöhnliches Konzept in Deutschland und vielleicht sogar in ganz Europa seinesgleichen sucht.

Vauban, drei Kilometer Luftlinie von der Freiburger Innenstadt entfernt gelegen, ist die ehemalige Kaserne einer französischen Garnison. Als die Truppen 1992 das etwa 38 Hektar große, schön gelegene Gelände verließen, entschloss sich die Stadt Freiburg zu einem mutigen Schritt: Hier sollte etwas ganz Neues entstehen - ein "nachhaltiger Stadtteil". Autoarm beziehungsweise verkehrsberuhigt sollte er sein, möglichst ökologisch gebaut, Wohnen und Arbeiten miteinander verbinden, und nicht zuletzt sollten hier die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Menschen gutnachbarschaftlich zusammenleben können. 2000 Wohnungen soll es geben, 5000 Menschen ein Zuhause finden und 600 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Das Projekt sollte auch auf unkonventionelle Weise realisiert werden: Es gibt keinen Großinvestor, die Kommune selbst vermarktet die Grundstücke. Und die künftigen Bewohner wurden von Beginn an in alle Planungen einbezogen. Zu diesem Zweck hat die Stadt Freiburg den Verein Forum Vauban als Träger einer "erweiterten Bürgerbeteiligung" anerkannt und auch finanziell unterstützt. Der Verein vertritt die Interessen der Menschen im Quartier gegenüber Politik und Verwaltung.

"Das alles war ein ziemliches Risiko, doch wir waren der Meinung, dass wir den Prozess voll steuern könnten", sagt Roland Veith, der in der Bauverwaltung der Stadt für das Gesamtprojekt verantwortlich ist. "Wir lösten die Arbeit auch aus den klassischen Verwaltungsstrukturen heraus und richteten eine Projektgruppe ein. Der Gemeinderat gründete eine eigene Arbeitsgruppe."

Im Unterschied zu anderen Projekten heißt die Devise in Vauban aber nicht Ohne Auto leben, sondern So wenig Auto wie möglich. "Wir haben es beim Verkehr mit sehr eingefahrenen Strukturen zu tun, und auch viele Menschen, die sich für Vauban entscheiden, wollen nicht immer oder nicht auf Dauer auf ihr Auto verzichten", weiß Carsten Sperling, der das Projekt im Forum Vauban wissenschaftlich begleitete.

Konkret bedeutet dies: Für einen Teil des Bebauungsplans sind keine Pkw-Stellplätze auf dem eigenen Grundstück vorgesehen. Haushalte mit Auto parken ihr Gefährt am Rande des Wohngebiets in einer der zwei neu gebauten Sammelgaragen. Sie kaufen sich dort einen Stellplatz. Wer mal einen Großeinkauf nach Hause bringen will, kann mit dem Auto vorfahren, muss es dann aber ins Parkhaus bringen. Auf den großen Straßen des Wohngebiets gilt Tempo 30, ansonsten Schrittgeschwindigkeit. Vereinzelt gibt es jedoch trotzdem auch ein paar Häuser mit Stellplätzen.

Rund ein Drittel der Vauban-Haushalte sind autofrei - eine sehr hohe Quote, wenn man bedenkt, dass hier vorwiegend junge Familien leben. Diese Haushalte müssen nach der baden-württembergischen Bauordnung eine so genannte Vorhaltefläche nachweisen, falls sie sich später doch ein Auto anschaffen sollten. Diesen Nachweis übernimmt der "Verein für autofreies Wohnen", der für alle diese Haushalte ein Gemeinschaftsgrundstück am Rande des Quartiers gekauft hat. Im "worst case" wird dort eine Platz sparende, automatische Parkierungsanlage errichtet. Viel lieber soll die Fläche aber als Spiel- und Grillplatz genutzt werden. Die Vereinsmitglieder zahlen rund 3580 Euro als Anteil an der Vorhaltefläche - im Gegensatz zu bis zu fast 19 000 Euro, die sie für einen Platz in der Quartiergarage hinlegen müssten. So werden in Vauban zwei Wohnformen miteinander verknüpft, die bislang nur getrennt voneinander vorkamen: das autofreie und das stellplatzfreie Wohnen.

Inwieweit die Bewohner in Vauban auch ohne Auto mobil sind, hängt natürlich auch davon ab, wie gut der Stadtteil an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist. Derzeit verkehren zwei Stadtbus- und eine Überlandlinie, die Haltestelle ist jedoch am Rande des Quartiers. Auch wenn der Bus demnächst direkt in den Stadtteil reinfährt, "wird das noch nicht reichen", findet Klaus Stieber vom Forum Vauban, der hier wie die Familie Henseleit-Schöler ohne Auto lebt. Die Stadt hat auch geplant, bis 2006 eine neue Straßenbahnlinie einzurichten.

Auch wenn beim ÖPNV noch einiges zu wünschen übrig bleibt: Weder für die Familie noch für den Single ist das unmotorisierte Leben kompliziert oder unkomfortabel. Sie legen viele Wege mit dem Fahrrad zurück, und auch der Großeinkauf lässt sich mit "einem Fahrradanhänger prima bewältigen", so Familienvater Stieber. "Wer sagt, eine Familie könne nicht aufs Auto verzichten, irrt gewaltig." Außerdem gibt es die günstige Regiokarte, die es erlaubt, im Umkreis von 50 Kilometern um Freiburg alle öffentlichen Verkehrsmittel für nur 35 Euro im Monat zu nutzen. Außerdem stehen dem Stadtteil fünf Car-Sharing-Autos zu Verfügung.

Das Thema Mobilität ist jedoch längst nicht das Einzige, das die Neubürger von Vauban bewegt. Sie wollen hier nicht anonym nebeneinander, sondern in guter Nachbarschaft miteinander leben. Schon die Bauweise ermöglicht den leichten Kontakt. Viele bauen nach hohen ökologischen Standards, und die Stadt bemüht sich, die Infrastruktur zu schaffen, die man für einen lebendigen Stadtteil braucht. Ob das alles schon nachhaltig ist? Roland Veith ist sich nicht sicher, aber eines weiß er genau: Die Stadt hat in diesem Prozess schon eine Menge Erfahrungen gesammelt mit "Lernender Planung" und: "Vauban ist nichts für egoistische Individualisten. Die werden hier scheitern."

Dies ist die Kurzfassung eines Beitrags aus dem Buch der Autorin "Lust auf Stadt - Ideen und Konzepte für urbane Mobilität", das im Haupt-Verlag Bern erschienen ist und von der Dr. Joachim und Hanna Schmidt-Stiftung für Umwelt und Verkehr finanziert wurde. Siehe auch die nebenstehende Buchrezension.

Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 01.07.2002 um 21:35:57 Uhr
Erscheinungsdatum 02.07.2002

Quelle: http://www.frankfurter-rundschau.de
ande
Administrator
17.01.2004
Im Nachhinein gesehen ist folgende Aussage von Herrn Veith eine Art Kronzeuge:

 "Das alles war ein ziemliches Risiko, doch wir waren der Meinung, dass wir den Prozess voll steuern könnten" 


Ich glaube, sie sind es immer noch.

Was ist eine Beteiligung, wenn einer der Partner keine Wirkung entgegen der Steuerugn des anderen entfalten kann?

Eine Farce - ich bin jetzt, 2004, nicht weit von dieser Erkenntnis entfernt.
 
07.02.2012, 11:37 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.