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Thema: VA 3/02 Modellkindergarten |
Petra Völzing 13.07.2002 |
Projekt Modellkindergarten
Es liegt auf der Hand, daß im kinderfreundlichen und auch kinderreichen Stadtteil ein weiterer Kindergarten benötigt wird.
Kürzlich hat die Stadtverwaltung hierzu einen Vorschlag unterbreitet, ein Provisorium, sprich Container auf Zeit, aufzustellen. Fünf mögliche Standorte wurden zur Diskussion gestellt: Nördlich vom Hackschnitzel-Kraftwerk, an der Lise-Meitner-Straße, westlich der Astrid-Lindgren-Straße, auf der Grünspange 4 und auf dem Gelände des Reiterhofes am Buckweg. Vor allem aufgrund der schlechten Erfahrungen mit einem Provisorium an der Karoline-Kaspar-Schule, ist das Forum Vauban e.V. gegen diese Lösung.
Multifunktionalität statt Provisorium
Das Forum Vauban e.V. setzt sich dafür ein, den geplanten 3. Kindergarten in Vauban als Modellkindergarten zu errichten. Es geht davon aus, daß ein Provisorium, wie es derzeit von der Stadtverwaltung vorgeschlagen wird, 1. den Erfordernissen nicht gerecht wird und 2. letztlich die teurere Lösung darstellt:
1. Vauban ist kinderfreundlich. Deshalb wohnen im Modellstatdtteil nicht nur überdurchschnittlich viele Familien mit Kindern, die günstigen Rahmenbedin-gungen werden auch in Zukunft den Zuzug von jungen Familien mit Kindern oder mit Kinderwunsch begünstigen.
2. Aufgrund der unter 1. genannten Rahmenbedingungen könnte aus einem Provisorium bald ein Dauerzustand werden. Wenn am Ende dann doch nachgebessert oder gebaut werden muß, sind zweimal Kosten entstanden, was in der Summe logischerweise teurer ist, als von Anfang an vernünftig geplant und gebaut!
Zukunftsorientiert Planen
Die Alternative zum Provisorium ist eine konzeptionelle Lösung, die eine Mehrfachnutzung einschließt und bei Bedarf eine spätere Umnutzung zuläßt. Das heißt, am Tage findet beispielsweise der Kindergartenbetrieb statt, am Nachmittag treffen sich Schulkinder zur Nachbetreuung, abends, am Wochenende oder in den Ferien, werden Veranstaltungen für Erwachsene angeboten. Sollte die demographische Entwicklung des Stadtteils trotzdem einmal zu einem Überangebot an Kindergartenplätzen führen, sichert eine dauerhafte oder eine vorübergehende Umnutzung die Investition ab: Jugendclub, Bildungsstätte, Seniorenclub, oder auch Vermietung als Gewerberaum.
Warum Modellkindergarten?
Der Bekanntheitsgrad von Vauban als zukunftsorientierter Modellstadtteil hat die Grenzen unseres Landes überschritten. Artikel finden sich in internationalen Publikationen und auch die Exkursionen vieler ausländischer Gäste in Vauban weisen auf die Bedeutung hin, die der Stadtteil mittlerweile für die positive Imagewerbung der Stadt Frei-burg innehat. Ein Modellkindergarten würde die Palette vorbildlicher Projekte bereichern, die Vauban zu bieten hat.
Eine Neuorientierung in der Vorschulpädagogik steht auf der Tagesordnung. Untersuchungen bei eingeschulten Kindern in Deutschland haben eklatante Defizite im Sprachvermögen, in der körperlichen Entwicklung und der Gesundheit zu Tage gefördert. Nicht zuletzt müssen die Ursachen des schlechten Abschneidens deutscher Kinder im internationalen PISA-Vergleichstest auch in einem unzulänglichen Kindergartenkonzept gesucht werden, das die Kinder mangelhaft auf die Anforderungen in ihrem zu-künftigen Leben vorbereitet.
Was ist ein Modellkindergarten?
In den letzten zehn Jahren sind bundesweit eine Vielzahl an Modellkindergärten entstanden. Einen hohen Bekannt-heitsgrad in Fachkreisen haben der "Ermelinghof" in Hamm, die "Arche Noah" in Hilpoltstein, das "Perlboot" in Gera-Lusan, "Klein & Groß" in Königs- Wusterhausen, oder der "Kleine Prinz" in Ochtrup erreicht. Freiburg kann noch keinen Modellkindergarten vorweisen, der die Kriterien eines ganzheitlichen Ansatzes erfüllen könnte.
Neben einem ganzheitlichen pädagogischen Konzept, das vor allem die Sinne des Kindes über den Einsatz natürli-cher Materialien und eine naturnahe Spielraumgestaltung ansprechen und damit sein Entwicklungspotential fördern will, machen weitere wichtige Essentials den modellhaften Charakter aus:
· Partizipation des ErzieherInnenteams und von Eltern schon bei der Planung
· Heranziehung ökologischer Kriterien in der Planung und im Alltagsbetrieb,
· baubiologische Optimierung des Gebäudes
· vorbildliche Umweltstandards in der
Ausstattung des Hauses
· flexibles Nutzungskonzept
· gesunde Vollwert-Ernährung
· Elternmitwirkung in der pädagogi
schen Arbeit
· Vernetzung mit anderen Einrichtungen
im Stadtteil
Mit seiner ganzheitlichen Ausrichtung verfolgt der Modellkindergarten das Ziel, das Kind in körperlicher, motori-scher, sensitiver und geistiger Hinsicht optimal zu fördern, damit es die Anforderungen erfüllen kann, die eine zu-künftige Welt an es stellt. Wie der Name schon sagt, soll der Modellkindergarten mit seinen Erfahrungen anderen als Planungsvorlage dienen. Das setzt die Dokumentation des Projektes und die Besuchsmöglichkeit durch Fachpublikum voraus.
Ein Modellkindergarten ist kostenneutral
Erfahrene Architekten haben Kindergärten mit umweltfreundlichen und ökologischen Standards kostenneutral realisiert. Das heißt, ein Modellkindergarten ist auch in einem Ausschreibungsverfahren wettbewerbsfähig. Beispiele aus der Praxis zeigen, daß die Kosten vor allem durch ausgesuchte, teure Materialien und aufwendige Bauweisen in die Höhe getrieben werden. Wer beispiels-weise Standardmaße für Fenster und Türen nutzt, kann viel Geld einsparen!
Die Standortfrage
Das Forum Vauban e.V. spricht sich dafür aus, einen Modellkindergarten in einem der frei werdenden Kasernen-gebäude einzurichten. Vielleicht haben manche Bedenken, ein Kindergarten passe nicht in ein Kasernengebäude. In Haus 37 existiert ja bereits seit mehreren Jahren ein Kindergarten, der die Machbarkeit grundsätzlich unter Beweis stellt. Auch sei auf ein Modell in Berlin-Kreuzberg, mit weitaus komplizierterer Ausgangslage hingewiesen: Die mit einem Preis ausgezeichnete Öko-Kita "Dresdener Straße" befindet sich in einem umgebauten Parkhaus.
Wie geht es weiter?
Jetzt ist besonders die Meinung der Eltern gefragt. Noch befindet sich das Projekt in einer Diskussionsphase, in der auf die Planung Einfluß genommen werden kann. Nach der Amtsübernahme durch den neuen Bürgermeister am
1. Juli wird voraussichtlich ein Termin der Gemeinderätlichen Arbeitsgruppe Vauban stattfinden. Dort möchte das Forum Vauban e.V. für seinen Vorschlag um Unterstützung werben. Meinungsäußerungen von BewohnerInnen ans Forum sind willkommen.
eRich Lutz
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