www.vauban.de: Stadtteil Vauban, Freiburg Impressum | Wegweiser | English | auf www.vauban.de  
  Informationen   Karten   Forum   Aktuell   Termine   Angebote   Adressen   Suchen  
Forum-Hauptseite | 2019 Beiträge, 531 Benutzer, 347 Termine | Statistik | FAQ

Als Benutzer: mit Passwort: (Beim nächsten Besuch automatisch)

Ich habe mein Passwort vergessen | Ich möchte mich als neuer Benutzer registrieren

Wählen Sie aus diesen Kategorien:

Öffentliche Foren   Interne Foren
Unter der Kategorie Öffentliche Foren sind folgende Foren eingerichtet:
AK Verkehr   Allgemeines Forum   Kleinanzeigen   Newsletter Vauban   Pressespiegel   vauban actuel
Forum: Pressespiegel, moderiert von: ande, wagnerha
  Hier kommen alle Pressemeldungen übers Vauban rein, seien sie aus der BZ oder woanders her...
Mit freundlicher Genehmigung der BZ für ihre angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mit freundlicher Genehmigung einzelner freier Redakteure.
Wer hier einen Artikel zu Unrecht archiviert sieht, möge sich bitte melden, dann nehme ich ihn raus. Wir sind erwachsene Menschen und brauchen keine Abmahnungen.
 
   
  In dieses Forum können nur Moderatoren und Administratoren schreiben.  
 
Absender Thema: BZ: Ein neues Kapitel in der Klovolution
ande
Administrator
31.07.2002
Badische Zeitung, Freiburg 9. November 2000

Jörg Lange, ein revolutionäres Abwasser-Konzept und die weltweit erste Wasser-Kreislauf-Toilette

Ein neues Kapitel in der Klovolution

ERFINDER IN FREIBURG:

Das heutige, kommunale Abwasserkonzept sieht ungefähr aus: Oben wird Trinkwasser in die Stadt rein geschüttet, das zum Kochen, Trinken, Waschen und für die sanitären Anlagen gebraucht wird. Dann läuft das Wasser zusammen, fließt als Abwasser wieder aus der Stadt heraus, wird aufwendig aufbereitet und alle Nährstoffe, die das Wasser trägt, werden mehr oder weniger in die Luft gepustet. Jörg Lange und viele Mitstreiter haben nach jahrelanger Pioniersarbeit jetzt ein neues Konzept für die kommunale Siedlungs-Wasserwirtschaft erarbeitet, das diesen "wahnsinnigen Ablauf" mittelfristig beenden kann.

Kernpunkt des neuen Ansatzes sind die Nährstoffe. 80 Prozent aller im Abwasser vorhandenen Nährstoffe stammen aus den Fäkalien und dem Urin des Menschen. Und die will Lange nicht einfach wegschütten. "Wir importieren Unmengen von wichtigen Nährstoffen, etwa Phosphor, die wir mit dem Abwasser auf kompliziertem Wege wieder entsorgen", sagt der Diplom-Biologe, der das Abwasser aus der Toilette von dem anderen Brauchwasser trennen will. In einem weltweit einmaligen Pilotprojekt haben Lange in Freiburg und sein Kollege Ralf Otterpohl in Lübeck Häuser mit einem völlig neuen System ausgestattet. In dem viergeschossigen Gebäude im Quartier Vauban sind 24 so genannte Vakuum-Toiletten eingebaut worden.

Im Rohrsystem herrschen 0,5 bar Unterdruck, auf Knopfdruck öffnet sich der Ablauf, Fäkalien und Urin werden mit einem einzigen Liter Wasser und 20 Litern Luft eingesogen und wandern in eine 37 Grad warme, anaerob arbeitende Biogas-Anlage. Normalerweise gehen bei einer Spülung rund sechs Liter Wasser den Bach runter. Das neue Verfahren bedeutet auf der einen Seite eine Wasser-Ersparnis, auf der anderen werden die wichtigen Nährstoffe nicht unsinnig verdünnt. Der Biogas-Anlage im Keller wird übrigens auch der zuvor zerkleinerte Nassmüll zugeführt. Das entstehende Methangas wird gespeichert, gefiltert und zum Kochen verwendet. Das Endprodukt der Vergärung kommt, wie dasjenige aus der Biovergärungsanlage in der Tullastraße, auf die Felder der Bauern - übrigens auch mit den Nährstoffen, die sonst importiert werden müssten.

Theoretisch könnte Lange das Gas auch verstromen, aber bei der kleinen Anlage lohnt sich das nicht. "Wir verwandeln Kot in Energie" sagt Nik Geiler, Sprecher das Freiburger Arbeitskreises Wasser, in dem auch Lange aktiv ist. Der Arbeitskreis hat das neue Konzept als einziger westdeutscher Vertreter auf dem größten deutschen Wasserkongress - Wasser Berlin 2000 - vorgestellt. Dort waren auch viele Mitarbeiter der Bundesamtes angetan von der Freiburger Erfindung. Und dort präsentierte der Arbeitskreis auch das weltweit erste Toilettenhäuschen mit geschlossenem Schwarzwasser-Kreislauf. Der Trick dabei: Das Wasser wird über eine Membrananlage so gereinigt, dass es wieder verwertet werden kann. Auf der anderen Seite der mit Mikrofiltern bestückten Membran, bleiben die Mikroorganismen hängen. Und diese können kompostiert werden. Gute Gründe gegen ein neues Abwasser-Konzept sind kaum in Sicht. "Dass wir Wasser immer noch als Transportmittel für Fäkalien und Industrieabwasser benutzen benutzen, um sie nachher aufwendig und unter hohem Energieverbrauch in der Kläranlage wieder herausholen, ist doch keine zukunftsfähige Lösung", hatte Klaus Töpfer, ehemaliger Umweltminister schon vor drei Jahren erkannt.

Lange, dem die Widerstände und die Interessen der etablierten Wasserwirtschaft schmerzlich bewusst sind, meint, es werde ein Übergangs-Szenario für die nächsten 50 Jahre geben müssen.

"Bei den Stadtteilen Rieselfeld und Vauban hat man eine große Chance bereits ungenutzt verstreichen lassen", bedauert Lange. Stadtteil für Stadtteil müsste umgerüstet, die Wasserkreisläufe für Schwarz- und Grauwasser getrennt werden. Die Rohre im größten bundesdeutschen Bauwerk - allein die öffentliche Kanalisation ist rund 400'000 Kilometer lang - müssen aber ohnehin regelmäßig erneuert werden. Vor dreieinhalb Jahren hat Lange dem Gemeinderat vorgeschlagen, das ganze Quartier Vauban mit dem System auszurüsten, das nun nur in seinem Haus funktioniert. Da das den Verantwortlichen zu revolutionär war, wurde damals beschlossen, Langes Ideen in der Solarsiedlung umzusetzen. Da hier wiederum der Investor absprang, blieb es bis heute bei dem Vauban-Haus.

Setzt sich das neue Konzept durch, hat Freiburg ein neues Kapitel in der Klovolution eingeläutet. Lange: "Die Stadt hat sich aber für diese Ideen bisher noch nicht sonderlich engagiert." Vielleicht auch deshalb, weil einem allzu lauten Nachdenken über das Thema Abwasser immer noch die zweifelhafte Aura eines forschenden Toiletten-Tieftauchers anhaftet.

Lars Bargmann

Quelle: http://www.badische-zeitung.de

[ande 31.07.2002 12:06]
 
07.02.2012, 11:56 - (0.008s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.