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Absender Thema: BZ: "Essen wegwerfen tut mir weh"
ande
Administrator
06.08.2002
Badische Zeitung vom Donnerstag, 11. Juli 2002

"Essen wegwerfen tut mir weh"

Was passiert mit den Essensresten? Jede Kita regelt das anders


Statt Gemüse essen viele Kinder lieber Grießbrei mit Kompott oder Lasagne - aber das gibt es nicht jeden Tag. Zumindest nicht in den Freiburger Kindertagesstätten. Die Vorlieben der Kinder wirken sich aus auf die Mengen, die dort verputzt werden: "Mal brauchen wir fünf Portionen mehr als gewöhnlich, mal essen die Kinder nur sehr wenig", sagt Sigrid Diebold von der Kita Vauban. Was aus den Resten wird, regelt jede Kita unterschiedlich. Manches landet einfach im Mülleimer.

Wenn alle Kinder da sind, kommen in der Kita Landwasser, an die ein Hort angegliedert ist, 108 Mittagessen auf den Tisch. Aber es gibt immer Kinder, die fehlen: "Wenn zum Beispiel plötzlich bis zu 20 Kinder krank sind, macht das natürlich einen Unterschied", sagt der stellvertretende Leiter Michael Vögtle. Weil jeden Tag frisch gekocht werde und nicht wie früher fertige Portionen geliefert würden, könne man zwar jederzeit spontan kalkulieren. Deshalb seien die Reste meist gering. "Aber es gibt schon auch Tage oder Zeiten, an denen relativ viel übrig bleibt", sagt Vögtle. Manches könne weiter verwertet werden: "Reste vom Braten bekommen die Kinder zum Beispiel nachmittags bei der Teerunde kalt aufs Brot." Anderes, wie etwa Salat, lande aber - zum Teil aus hygienischen Gründen - im Abfalleimer.

Die Kita-Mitarbeiter haben sich ans Kalkulieren gewöhnt: "Mit der Zeit hat man es raus", meint Ljerka Krezevic, stellvertretende Leiterin der Kita Rieselfeld. Allerdings bleibt eine gewisse Unberechenbarkeit: "Je nach Tagesform erklären Kinder heute Bohnen zu ihrem Leibgericht, und morgen weigern sich plötzlich drei Gruppen, Bohnen zu essen", erzählt Donate Hupfer, Leiterin des Kinderhauses Bernhard von Baden.

Die meisten Kinder seien geregelte Mahlzeiten einfach nicht gewohnt, ist die Erfahrung von Erzieherin Angela Montesano von der Kita der evangelischen Paulusgemeinde. Manchmal sei es schon viel, was übrig bleibe und dann im Müll lande. Zu ihrem großen Bedauern: "Essen wegzuwerfen tut mir weh." Da denke sie dann immer: "Eigentlich müsste man einen Schweinestall haben." Den hat die Kita Vauban zwar auch nicht - aber dafür wenigstens einen Mitarbeiter, der ab und zu mit dem Schweineeimer kommt. Und sechs Kitas geben die Reste täglich an Hansjörg Hoch, den Leiter der Caritasküche, zurück. Eine Firma hole alles bei ihm ab und verarbeite es weiter, wahrscheinlich zu Viehfutter, erzählt Hoch.

Im Ferdinand-Weiß-Haus, der Anlaufstelle für wohnungslose Menschen, kommt mittags nur Essen auf den Tisch, wenn gerade jemand kocht: "Ich könnte mir aber vorstellen, dass unsere Leute an dem, was in Kindertagesstätten übrig bleibt, interessiert wären", sagt Sozialpädagoge Claus Fournell, der dort arbeitet. Da wäre es auch in Ordnung, wenn das Essen nur unregelmäßig komme. Für die Kitas, sagt Donate Hupfer vom Kinderhaus Bernhard von Baden, liege das Problem vor allem im zusätzlichen Aufwand: "Wir haben keine Luft, das zu organisieren."

anb

Quelle: http://www.badische-zeitung.de
 
07.02.2012, 11:51 - (0.007s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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