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Thema: BZ: Heute regiert Kinderlachen in der Kaserne |
ande Administrator 25.08.2002 |
Badische Zeitung vom Samstag, 24. August 2002
Vor zehn Jahren endete die "Franzosenzeit" in Freiburg / Vauban hat inzwischen 2700 Einwohner
Vor genau zehn Jahren, am 25. August 1992, endete für St. Georgen und die Unterwiehre eine Epoche, die man die "Franzosenzeit" nannte. In einer kurzen und schmucklosen Zeremonie zog der letzte Standortkommandant der Forces Francaises en Allemagne (FFA) den Schlüssel aus dem Kasernentor an der Merzhauser Straße und übergab ihn an den damaligen Oberbürgermeister Rolf Böhme - die Vauban-Kaserne war nach 55 Jahren keine Kaserne mehr.
Das Gelände wurde in der Folgezeit zu einem der größten Konversionsprojekte in Baden-Württemberg. Aus der Kaserne entstand ein neuer Stadtteil, dessen dritter und letzter Bauabschnitt gerade begonnen wird; 2006 soll der neue Stadtteil für rund 5000 Menschen mit etwa 500 Arbeitsplätzen fertig und bezogen sein. Heute leben bereits 2700 Menschen im Stadtteil Vauban, der offiziell zum Stadtbezirk "St. Georgen Süd" gehört, darunter so viele Kinder, dass es in Betreuungseinrichtungen und Schule bereits eng wurde.
Die Zuordnung zu St. Georgen erinnert an die Ursprünge in den 30er-Jahren. Das Gebiet südlich der Höllentalbahn war Teil der damals selbständigen Gemeinde St. Georgen. Als die Nazis 1936/37 Freiburg zur Garnison machen wollten und eine Kaserne planten, wurde St. Georgen zwangsweise zu Freiburg eingemeindet. 2,20 Mark je Quadratmeter bezahlte das Reich damals für die Flächen. Die 1938 fertiggestellte "Schlageter-Kaserne" war ursprünglich 17 Hektar groß und wurde nach Kriegsende unzerstört von den französischen Truppen übernommen. In den Folgejahren wuchs sie bis zur Bahnlinie auf zuletzt 38 Hektar. Bis zu 5000 Soldaten der FFA lebten und arbeiteten in der Kaserne.
Als sich Anfang der 90er-Jahre abzeichnete, dass die französische Regierung Freiburg als Militärstandort aufgeben werde, einigte sich die Stadt mit der Universität und der Bundesvermögensverwaltung in der Oberfinanzdirektion (Eigentümerin war der Bund) darauf, wie die wichtigsten französischen Liegenschaften künftig zivil genutzt werden sollen. Das größte Einzelprojekt, die Vauban-Kaserne (benannt nach dem französischen Festungsbaumeister Vauban, der nach dem 30-jährigen Krieg auch die Festung Freiburg angelegt hatte) sollte zu einem neuen Stadtteil umgewandelt werde. Ausgeklammert blieb der nordöstliche Bereich mit einigen Mannschaftsgebäuden, die das Land zu Studentenwohnungen und -zimmern umbauen ließ. Hier wohnen heute rund 600 Studenten. Für die restlichen 34 Hektar zahlte die Stadt exakt 40 Millionen Mark - für OB Böhme der teuerste Grundstücksvertrag, den er bis dahin unterzeichnet hatte.
Die Entwicklung des Gebiets finanziert sich aus Verkaufserlösen
Zum ersten Mal machte die Stadt Gebrauch von dem Rechtsinstrument der "Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme". Das bedeutet: Aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis für die Grundstücke finanziert die Stadt außerhalb ihres Etats nicht nur die gesamte Erschließung, sondern auch die öffentliche Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten. Innerhalb der auf zehn Jahre festgesetzten Entwicklungsmaßnahme setzt die Stadt damit in einem eigenen Wirtschaftsplan rund 85 Millionen Euro um. Als Projektträger arbeitete die Stadt von Beginn an mit der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Baden-Württemberg zusammen.
1994 zeichnete das Preisgericht beim städtebaulichen Ideenwettbewerb aus über 60 Arbeiten den Entwurf des Stuttgarter Büros Kohlhoff & Kohlhoff aus, der die strenge Straßenstruktur der früheren Kaserne aufnahm und damit den alten Baumbestand zu einem großen Teil erhalten konnte. Außer den zu Studentenwohnungen umgebauten Kasernen blieben vier weitere Kasernengebäude erhalten; sie wurden von der "Selbstorganisierten Unabhängigen Siedlungsinitiative" (SUSI) direkt vom Bund erworben und zu preisgünstigen Wohnungen umgebaut. Ein weiteres Kasernengebäude (Haus 37) bleibt als Stadtteilzentrum am künftigen Marktplatz erhalten. Darüber hinaus entschied sich der Gemeinderat für die Ausweisung von stellplatzfreien Bereichen. Wer trotzdem auf seinen fahrbaren Untersatz nicht verzichten will, muss in einer der beiden Quartiersgaragen einen Stellplatz erwerben. Unklar ist derzeit noch, was mit fünf weiteren Kasernengebäuden geschieht, in denen bis noch bis August die Bezirksstelle Asyl des Landes untergebracht ist.
Quelle: http://www.badische-zeitung.de |
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