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Thema: BZ: KoKo will eine ganz neue Streitkultur etablieren |
ande Administrator 25.08.2002 |
Badische Zeitung vom Mittwoch, 21. August 2002
Im Ladenbüro der Vauban-Allee hat sich eine kostenlose Konfliktberatung niedergelassen / Hilfe auch bei Zwist unter Nachbarn
VAUBAN. "Fehlen Ihnen manchmal auch die lösenden Worte?" fragt das Plakat mit dem dicken Knoten im Schaufenster. Im Ladenbüro der Vauban-Allee 20 hat seit Mitte Juli "KoKo - Konstruktive Konfliktbearbeitung in Stadtteil und Nachbarschaft" neue Räume bezogen. Parallel zur zentralen Anlaufstelle in der Wilhelmstrasse 20 bietet der im Jahre 2000 gegründete Verein kostenlos, strengvertraulich und allparteilich Mediationsbegleitung bei Konflikten an.
Mediation, das bedeutet Vermittlung in Streitfällen durch unparteiliche Dritte. "Das läuft so, dass Menschen bei uns anrufen können, die Streit in der Nachbarschaft haben, bei dem sie nicht mehr weiterwissen. Wir vermitteln dann aus unserem Pool einen passenden Mediator, der versucht mit den Parteien klärende Gespräche zu führen und zu einer Lösung zu kommen, mit der alle gut leben können", erzählt Christoph Besemer, Politologe und Mitbegründer von KoKo. "Konflikte gehören zum Leben, sie sind kein Defizit, sondern ein Zeichen von Lebendigkeit und eine Chance. Wir von KoKo wollen ermutigen, aktiver und offener mit Konflikten um zugehen", führt Diplompädagogin Mechtild Eisfeld fort.
Konfliktscheu überwinden
Die Mediatoren versuchen in einem geschützten Raum das Zuhören der "Streithähne" zu kultivieren, bevor Streitigkeiten wie vermeintliche Lärmbelästigung, überhängende Bäume und Katzenkacke im Sandkasten zum Kalten Krieg werden oder beim Rechtsanwalt landen. Ob das funktioniert? Noch immer ist Konfliktscheu und Scham groß, dabei gelingt es erfahrungsgemäß oft einem versierten Dritten einen Perspektivenwechsel zu erwirken und damit Verständnis, das ein Mindestmaß an Koexistenz wieder möglich macht.
Rund 15 Ehrenamtliche unterschiedlichster Berufsfelder, Alter und Herkunft stehen dem Verein derzeit als Mediatoren zur Verfügung. Alle haben sich in einer einjährigen Ausbildung mit 14 Seminartagen weiterqualifiziert. Mediation - eine Marotte der ewig problematisierenden Deutschen? "Keineswegs", sagt der Diplompädagoge Erwin Czarzynski, der seine Forschungsarbeit darüber geschrieben hat. Die Idee der "community mediation" ist in den USA mit vielen Zentren weit verbreitet. Hier arbeitet man oft mit Polizeiposten und Sozialarbeitern zusammen und damit eindeutig gewaltpräventiv. Gute Erfolge in ethnischen und sozialen Konflikten können verbucht werden. Auch in Italien, Frankreich und England gibt es Einrichtungen, die an einer neuen Streitkultur arbeiten und kommunal eingebunden sind.
In Weingarten und im Rieselfeld konnte KoKo schon auf breiterer Basis tätig werden. Jetzt steht das KoKo-Angebot auch im Quartier: "Jeder hier im Vauban weiß, dass es im engen und kinderreichen Viertel eine Fülle von Nachbarschaftsproblemen gibt, die nicht befriedigend gelöst sind. Wir sind gespannt, ob viele Anfragen kommen werden...", sagt Christoph Besemer.
Marion Klötzer
Kontakt: KoKo Büro: Vauban-Allee 20, 79100 Freiburg, Tel. : 0761/45367480, Mo.-Fr. 9-13 Uhr, Di. 15-17 Uhr.
Quelle: http://www.badische-zeitung.de
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