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Thema: BZ: Das Projekt Genova im Freiburger Vaubanquartier zieht optimistisch Bilanz |
ande Administrator 09.09.2002 |
Badische Zeitung vom Samstag, 7. September 2002
Mehrgenerationenwohnen
Das Projekt Genova im Freiburger Vaubanquartier zieht optimistisch Bilanz
Etwa 35 Prozent der deutschen Bevölkerung ist heute schon älter als 60 Jahre - Tendenz steigend. Die Großfamilie ist passé. Immer mehr Menschen machen sich daher Gedanken, wie sie im Alter leben und wohnen wollen. Eine Alternative zu Alten- und Pflegeheimen, "betreutem Wohnen" und "Seniorenresidenzen" bietet das Mehrgenerationenwohnen, das die Wohngenossenschaft "Genova" im Freiburger Stadtteil Vauban umzusetzen versucht.
Gemeinschaftsprojekt hat 73 Haushalte
Christa Kock war schon von Anfang an dabei. 1999 zog die pensionierte Architektin als eine der Ersten ein und hat es bis heute nicht bereut. "Als ich mit 62 Jahren pensioniert wurde, lebte ich als Single, ohne Kinder, ohne Verwandte," erzählt sie. Altenheime und betreutes Wohnen seien ihr zu teuer gewesen, zudem schreckte die Vorstellung in einer homogenen Gruppe von Älteren leben zu müssen. "Natürlich herrscht inmitten der vielen Kinder häufig Trubel, aber ich fühle mich hier unglaublich lebendig", schwärmt sie. Sie arbeitet in der Selbstverwaltung mit, organisiert Projekte und übernimmt im Bedarfsfall auch mal das Kochen oder Fensterputzen.
In zehn der 73 Haushalte des Gemeinschaftsprojektes leben ältere Menschen zwischen 60 und 75 Jahren. Zehn weitere Wohnungen werden von allein erziehenden Müttern und Vätern bewohnt, der Rest von Familien und Singles. "Der Aspekt des gemeinschaftlichen Wohnens von Alt und Jung lag uns schon in der Planungsphase stark am Herzen", erläutert Vorstandsmitglied Martin Kummrow. Neben der barrierefreien Bauweise ermögliche ein Unterstützungs- und Betreuungsnetz das Leben in den eigenen vier Wänden auch dann, wenn ein Bewohner hilfe- und betreuungsbedürftig werde. "Im Falle dauerhafter Pflegebedürftigkeit wären wir allerdings überfordert", räumt er ein.
"Es war anfangs nicht immer leicht, Ältere dauerhaft für das Projekt zu gewinnen", erläutert Nicola Weis. Die enge Bebauung im Stadtteil Vauban, die vielen Kinder und die gut zweijährige Planungs- und Umsetzungsphase hätten besonders Interessenten von mehr als 70 Jahren abgeschreckt. "Dafür haben wir jetzt aber auch ganz besondere Persönlichkeiten gefunden", freut sich die allein erziehende Mutter. Die Älteren dienten dabei durchaus nicht als immer verfügbare, kostenlose Babysitter. "Die Betreuung der Kinder übernehmen eigentlich eher wir Eltern untereinander". betont Stephanie Boerner. "Meine kleine Tochter freut sich allerdings sehr auf die Besuche bei einer älteren Nachbarin, mit der sie stilvoll Tee trinkt", schmunzelt sie.
Veränderte Bedürfnisse der Gesellschaft
Neue Wohnformen wie das Projekt der Wohngenossenschaft Genova bieten Antwort auf die veränderten Bedürfnisse der Gesellschaft. 35 Prozent aller deutschen Haushalte werden von nur einer Person bewohnt, in Großstädten erhöht sich diese Zahl sogar auf über 50 Prozent. Beim gemeinschaftlichen Wohnen können die Bewohner die Vorteile des Zusammenlebens genießen und haben gleichzeitig die Möglichkeit, für sich zu sein.
73 Haushalte, Alt und Jung, Singles und Familien - wie verwirklicht eine Baugemeinschaft so viele unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse unter einem Dach? "Wir haben das Projekt gemeinsam entwickelt", erläutert Martin Kummrow. Die Eigenleistungen hätten zwar nur zwei Prozent der Bausumme eingespart, die Bewohnergruppe jedoch intensiv zusammen geschweißt. Das Ergebnis: Wohnungen zwischen 45 und 170 Quadratmetern, ökologische Bauweise, eine gut durchmischte Struktur von Mietern und Eigentümern, lebendige Hausgemeinschaften, zwei Gemeinschaftshäuser und eine gut funktionierende Selbstverwaltung.
Gabriele Bobka
Quelle: http://www.badische-zeitung.de |
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