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| Forum: vauban actuel,
moderiert von: Carsten Sperling, Petra Völzing |
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Die Stadtteilzeitung vauban actuel erscheint etwa viermal im Jahr in gedruckter Version. Hier sind ausgewählte Artikel daraus online zu finden. |
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Thema: VA 4/02: Das komplette Interview mit mir |
Carsten Sperling Experte 10.10.2002 |
Weitläufiges Vauban: Petra Völzing interviewt Carsten Sperling
Petra: Du befasst Dich seit langem intensiv mit der Darstellung des Vauban auf
internationaler Ebene. Welcher Art ist Dein Engagement?
Carsten: Vauban ist für mich immer mehr gewesen als eine lokale Stadtteilinitiative - im besten Sinne ein Projekt nach dem Leitsatz „Global denken, lokal handeln“. Hier wurde - bei allen Vorbehalten und Problemen - insgesamt Vorbildliches verwirklicht, und das soll auch bekannt werden. Mich interessiert die internationale Arbeit. Und zur Lösung der globalen Umweltprobleme gehört auch, dass positive Konzepte und Erfahrungen von vor Ort weitergegeben werden und andere darauf aufbauen können. Und dann ist da natürlich noch die „Alltagsarbeit“, die vielen Anfragen, die beantwortet werden wollen ...
P: In welchen Ländern wird die Entwicklung eines Modellstadtteils wie Vauban
besonders interessiert aufgenommen? Gibt es Länder, in denen dieses Thema
gar nicht interessiert?
C: Zu ersterem fallen mir Japan, Frankreich, Italien, Großbritannien und die USA ein. Zunehmend kommt auch Interesse aus den skandinavischen Ländern. Das sind alles Länder, die ähnlich wohlhabend sind und ähnliche Probleme haben. Für wirtschaftlich weniger privilegierte Staaten fehlt wahrscheinlich der Anknüpfungspunkt. Eine Ausnahme bildete der Bericht in der indischen Zeitschrift „Down To Earth“, der allerdings von einem in Deutschland lebenden Autor geschrieben wurde. Das ist aber nur mein subjektiver Eindruck. Einige Reaktionen zu Vauban aus dem Internet können übrigens von der neuen Homepage des Forums per Link angesteuert werden.
P: Engagieren sich auch Entwicklungsländer in der nachhaltigen Stadtentwicklung?
C: Ja, sehr, aber da haben die Probleme natürlich ganz andere Dimensionen. Ich denke nur an die Ökostadt-Initiative in einem südafrikanischen Slum. Ich seh die Bilder noch vor mir: „Trinkbares Wasser!“, „Nicht qualmende Feuerstellen!“, „Kunst aus Müll!“ - das sind dort die Themen, aber auch „Solare Warmwasser-bereitung!“ und „Ökologisches Bauen!“. Verglichen hierzu haben wir in Vauban paradiesische Zustände. Einen guten Überblick zu Hoffnung gebenden Projekten enthält die Best Practice Datenbank des Weltsiedlungsprogramms Habitat der Vereinten Nationen (http://www.bestpractices.org).
P: Gibt es besonders interessante oder amüsante Geschichten oder Anekdoten zu
erzählen?
C: Für mich persönlich war ein Highlight natürlich die Einladung, Vauban in Japan zu präsentieren. Da hab ich es auch geschafft, mir einen für das Land typischen, eng gedrängten Terminplan zusammenzubauen mit 6 Vorträgen und vielen, vielen Gesprächen und Besichtigungen. Gerne denke ich auch zurück an die Konferenz „Urban Ecology Focus Europe“ in Drammen, Norwegen. Nach dem herzlichen Empfang der Stadt, vielen inspirierenden Gesprächen und einer Bergwanderung in bereits leicht alkoholisiertem Zustand endete ein Großteil der Gruppe im Privathaus eines Mitarbeiters, der - in völliger Harmonie mit allen Lebewesen - über nachhaltige Liebesbeziehungen philosophierte. Selbst mein Umzug von Vauban nach Oldenburg wurde international begleitet: Kräftige australische Radfahrer räumten nach der Vauban-Besichtigung noch schnell meine Wohnungseinrichtung in das Umzugsauto.
P: Zuletzt hat Vauban am Dubai-Award teilgenommen, um was für einen Wettbewerb
handelt es sich und wie ging es aus?
C: Das ist - kurz gesagt - der zweijährlich stattfindende Weltsiedlungspreis, den die Vereinten Nationen gemeinsam mit der Stadt Dubai ausloben. Als Preisgeld winken immerhin zehn mal 300.000,- US$! Ich hab schon geträumt, was man damit Sinnvolles in Vauban machen könnte. Mein ehemaliger Vauban-Kollege Laurenz Hermann, der die 1996er und 1998er Bewerbungen geschrieben hat, meinte aber gleich, dass 80% der Preisgelder an Projekte in so genannte Dritte-Welt-Länder vergeben würden, was natürlich auch korrekt ist. Und so war es auch diesmal. Immerhin: Vauban war in der Endausscheidung, das heißt unter den besten 40 von insgesamt 544 Einreichungen, und kann sich wieder einmal „Best Practice“ nennen.
P: Was bringt unserem Stadtteil die internationale Darstellung, das bedeutet ja
auch viel Aufwand und Kosten?
C: ... und Belastungen für die Bewohnerinnen und Bewohner, wenn an manchen Tagen dann der dritte Besucherbus seine Runde durchs Quartier dreht. Das ist eine Gratwanderung, das geb ich zu. Für Vauban gibt es als greifbares Ergebnis erst mal nicht viel mehr als die Anerkennung und für die hier lebenden Menschen das Gefühl, in einem besonderen Quartier zu wohnen: in einem Quartier, wo der Ausstoß von Treibhausgasen durch Heizung und Stromverbrauch um über 60% verringert wurde, um nur ein Beispiel zu nennen. Das ist so wie bei jedem Engagement für soziale und ökologische Ziele. Das sind langfristige Investitionen, direkt in Euro und Cent zahlt sich das nicht aus. Diese Investitionen in eine nachhaltige Zukunft wären aber vergeblich, würden sie nicht auch andere anregen, ähnliches zu probieren. Eine abgeschottete Öko-Insel kann und darf Vauban nicht werden.
P: Anerkennung schön und gut - aber wer zahlt die vielen Arbeitsstunden?
C: Das Schreiben der Bewerbung war mein Risiko – beim Hauptgewinn hätte ich ein Erfolgshonorar bekommen. Immerhin können Teile der englischen Bewerbung jetzt auf die neue Forum-Homepage. Und vielleicht gibt es irgendwann ja doch mal ein Preisgeld für das Engagement ... Schon heute profitiert natürlich die Freiburger Wirtschaft vom Öko-Tourismus. Wie wäre es da mit einer kleinen Spende ans Forum von dieser Seite? Oder mit einer Geldspritze aus dem Öffentlichkeits-Budget der Stadt?
P: Ist das Dein Ernst?
C: Vielleicht eher ein frommer Wunsch. Ich sehe nur, welche Anziehungskraft exponierte Projekte wie Vauban haben. Kein Wunder, bei den trüben internationalen Aussichten - siehe den Weltgipfel in Johannesburg. Die Enthusiasten kommen, um Hoffnung zu tanken, und die Defaitisten, um das Projekt madig zu machen. Das haben wir alles schon erlebt. Die meisten schauen sich Vauban aber einfach kritisch an und überlegen, was davon für sie vor Ort sinnvoll ist. Anfragen dieser Art bekommt das Forum immer wieder. Kürzlich wollte ein ökologischer Bauträger aus Kalifornien zum Beispiel alles zum Verkehrskonzept wissen.
P: Das sind ja schon handfeste Dienstleistungen!
C: Richtig! Bei den knappen Geldern wird das Forum Vauban jetzt auch konsequenter darauf achten, wo es konstenlos informieren kann und wo es Know How verkaufen muss. Andererseits: Man kann nicht jeder Antwort gleich eine Rechnung beipacken, das macht einen ziemlich schlechten Eindruck. Wir sollten auch nicht vergessen, dass Vauban zu Beginn sehr von der internationalen Aufmerksamkeit profitiert hat.
P: Kannst Du da Beispiele nennen?
C: Ich erinnere nur an die Präsentation auf der Weltsiedlungskonferenz 1996 in Istanbul. Das war ein wichtiger Auslöser für die Aufbruchstimmung damals. Und schließlich hat Vauban von 1997 bis 1999 1,4 Millionen Mark Fördergelder von der EU bekommen, da war die internationale Darstellung natürlich eine Selbstverständlichkeit.
P: Du hast ja auch lange unser beliebtes Stadtteilmagazin herausgegeben, jetzt
lebst du nicht mehr in Freiburg. Womit beschäftigst du Dich zurzeit?
C: Ich bereite derzeit meine Promotion vor. Und die wird, wie Du Dir denken kannst, sehr viel mit nachhaltiger Stadtentwicklung zu tun haben.
P: Hat sich Deine Sicht auf den Modellstadtteil Vauban verändert?
C: Der Abstand zum Projekt tut gut. Ich gewinne einen besseren Überblick und lerne andere Projekte besser kennen, weil ich der Alltagsarbeit in Vauban nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenken brauche.
P: Was hast Du für Pläne, bleibst Du unserer Stadtteilarbeit erhalten?
C: Erst mal mache ich noch den Vauban-Guide fertig. Der ist Teil des gerade laufenden Verkehrsprojektes und wird wieder einmal von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Ich setze mich ausserdem dafür ein, dass das vergriffene Handbuch „Nachhaltige Stadtentwicklung beginnt im Quartier“ neu erscheinen kann. Und ganz sicher wird auch meine Promotion etwas für die Arbeit im Quartier bringen.
Alles Liebe Euch in Vauban!
Carsten
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