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Absender Thema: BZ: Reizthema Mobilfunk-Antennen
ande
Administrator
26.04.2003
Badische Zeitung vom Samstag, 22. März 2003

Immer unter Strom
Reizthema Mobilfunk-Antennen: Während die einen ihre Wohnung funkdicht abschirmen, schwärmen die anderen von den Vorzügen der Technik / Von Thomas Jäger (Text) und Brigitte Sasse (Fotos)

A ls Bertram Schütze im Sommer 2001 den Umzug in die neue Maisonette-Wohnung im Freiburger Stadtteil Vauban hinter sich hatte, wollte er sich mit Frau und Kindern erstmal erholen. Doch daraus wurde nichts. "Wir konnten gar nicht mehr richtig schlafen, die Kleinen haben gräuslich geträumt - und tagsüber waren wir total aufgedreht", erinnert er sich. Schließlich kam der Verdacht auf, diese Reaktionen könnten zusammenhängen mit den rund zwei Dutzend Mobilfunkantennen auf einem Gebäude in einigen hundert Metern Entfernung. Ein Baubiologe stellte dann eine Strahlenbelastung von 700 Mikrowatt pro Quadratmeter fest. Für Schütze war damit klar, dass Handlungsbedarf besteht, auch wenn die offiziellen Grenzwerte für den Mobilfunk (siehe unten) mehreren Millionen Mikrowatt entsprechen: "Diese Werte sind eh ein Witz." Mehr als 5000 Euro investierte die Familie, um die Wände Richtung Antennenstandort zunächst mit einer kupferbedampften Tapete und dann mit einer vorgemauerten, acht Zentimeter starken Lehmwand abzuschirmen. Seitdem schliefen die sechs und neun Jahre alten Kinder normal. Schütze, der sich inzwischen in der "Initiative zum Schutz vor Elektrosmog Südbaden" engagiert, erzählt von weiteren Vauban-Bewohnern, die teils noch drastischere Symptome erlebten: Eine Frau zum Beispiel bekomme Herzrasen, wenn sie ihr durch ein Netz abgeschirmtes Bett verlasse. Andere Nachbarn stellten gar nichts fest.

Solche und ähnliche Erfahrungsberichte sind es, die 60 Mediziner vom Zahnarzt bis zum Homöopathen - vorrangig aus der Region - im vergangenen Herbst veranlasst haben, den "Freiburger Appell" zu unterzeichnen, der unter anderem eine "massive Reduzierung der Grenzwerte, Sendeleistungen und Funkbelastungen" ebenso fordert wie den Verzicht auf einen weiteren Ausbau der Mobilfunktechnologie.

D ie Betreiber verweisen darauf, dass gesundheitliche Belastungen keineswegs nachgewiesen seien. Selbst kritische Institutionen wie das Ecolog-Institut von Peter Neitzke (siehe links) oder das Öko-Institut müssten zugestehen, dass es allenfalls "Hinweise" auf eine mögliche Belastung gebe.

Gerade die neue Technologie UMTS, die derzeit installiert werde, biete hingegen Chancen auch zur Risikominimierung: Bei einer guten Verbindung könnte ein Handy dann mit einer Leistung im Nanowatt-Bereich auskommen, kündigt Manfred Zeller an, Leiter Netzentwicklung für die T-Mobile Niederlassung Stuttgart (ein Nanowatt = ein milliardstel Watt). Und außerdem sei es die Bundesregierung, die Druck mache beim UMTS-Ausbau: Bis Ende des Jahres muss jeder der Lizenzersteigerer 25 Prozent der Bevölkerung technisch versorgen können, bis 2005 die Hälfte. Ende nächsten Jahres will T-Mobile den Service in Freiburg flächendeckend anbieten können. D 2 hat Freiburg sogar noch für dieses Jahr für die Komplettversorgung auf der Liste. Doch ob das klappe, sei offen, meint Sprecherin Margarete Steinhart: "Wenn man uns weiter Steine in den Weg legt, müssen wir schauen, ob wir woanders nicht sinnvoller investieren." In der D 2-Zentrale ist man verärgert über die Rückbauverfügung für einen Mobilfunkstandort in der Wilhelm-Dürr-Straße. Die Stadt hält ihn für unzulässig, weil er in einem reinen Wohngebiet liegt. Ähnliche Abbau-Aufforderungen gingen an T-Mobile und E-Plus.

D ass nahe gelegene Mobilfunkstationen den Verkehrswert von Immobilien massiv drückten, hält Hugo Sprenker, Landvorsitzender im Ring Deutscher Makler (RDM), für "keineswegs zutreffend: Manche mag das stören, in der Summe ist das kein Effekt." Der Münchner Makler Hubertus von Medinger sieht das anders: Er mailte mit einer entsprechenden Umfrage 600 RDM-Makler an. Von den 30, die antworteten, sahen fast drei Viertel eine Wertminderung durch Sendemasten - manche von bis zu 50 Prozent.

Quelle: http://www.badische-zeitung.de
 
07.02.2012, 12:11 - (0.006s) Spammerfutter Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
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