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Thema: Leserbrief zu Teufels Kampf gegen die Windmühlen |
ande Administrator 25.09.2003 |
(1) z.K.: Leserbrief vom 23.9. an die BZ:
1. Land und Regierungspräsidium überzeugen nicht:
Vordergründig geht es um Landschaft, im Hintergrund aber massiv um Energiepolitik und den Strommarkt.
Das hat Tradition:
Schon in den 80er Jahren hat der damalige Wirtschaftminister Dr. Eberle im Landes-Energiebeirat bei Grinsen anwesender Stromkonzern-Vertreter über die seinerzeit noch kleine Windkraft gelästert. Er war betroffen durch mein Gegenargument zu den Hunderttausenden Hochspannungsmasten. Schlimmer nun Ministerpräsident Teufel, der als Don Quichotte die Stadt Freiburg zum Schildbürgerstreich gegen Windkraft zwingt. Dabei passen die Anlagen, seit in Betrieb, von Freiburg aus gesehen viel besser als erwartet zum Schauinsland.
Und: Windkraft ist laut Freiburger Öko-Institut (GEMIS-Studien) mit die effizienteste Technologie für den nötigen Klimaschutz. Der Landesnaturschutzverband LNV, Sprecher für 33 Vereine mit 400 000 Mitgliedern, hat den Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg als Beitrag zum künftigen Strommix vorgeschlagen, standortgerecht versteht sich. Windkraft kann mit leicht regelbaren Gas- und Biomassekraftwerken gut zusammenwirken. Gerade im Schwarzwald liegen an etlichen Standorten geeignete Windverhältnisse vor. Dort solte - gut geplant auch landschaftsschonend - ein Teil der Anlagen Platz finden:
als Bürgergemeinschaftsanlagen von Landwirten und Städtern und ihren Unternehmen wie Regiowind.
Gerade auch Jugendliche wollen mehr Windkraft. Sie wissen wie besonnene Landschaftsschützer und die meisten Bürgerinnen und Bürger: Windkraft kann eine schöne moderne Energiequelle sein. Meine Bedingungen: gute Planung wie z.B. in Freiburg, Freiamt und Ettenheim, maximal 100 Meter plus Zuschlag für Baumhöhe bei Wald, kleine Gruppen in großem Abstand. Und: keine rotweißen Flügel. Das Regierungspräsidium Freiburg hat falsch entschieden, indem es am Schauinsland den Windrotoren die landschaftsbeeinträchtigende rotweiße Flügelfarbe aufgezwang. Listige Absicht im Hinblick auf die Gerichte? Die Betreiber sollten dagegen klagen.
Neben jeder Windkraftanlage denke man sich eine ähnlich hohe Kohle-Pyramide, Abraumhalden und zigfach größere "Berge" an klimaschädigenden Gasen: Das ist, was Windkraft im Laufe von 20 Jahren uns erspart. Windkraftgegner liegen mit ihren Energie-Argumenten, die von einem Verein herrühren, der sich für Braunkohlenabbau einsetzt, in der Sache weit daneben.
Mit freundlichem Gruß,
Georg Löser, 23.9.2003
D.rer.nat. Georg Löser, Diplomphysiker
undabhängiger Energie- und Umweltexperte
Weiherweg 4 B
79194 Gundelfingen
georg.loeser(at)t-online.de, 0761-582849, -5950161, Fax -5950262
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(2)
Pressemitteilung 03/115 12.09.2003
Konzertierter Wind gegen Windkraft?
Kommentar des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg zum offenen Brief von Ministerpräsident Teufel zur Windenergie (Sonntag Aktuell vom 7.9.03) und zum Leitartikel "Gesinnung reicht nicht" in der Stuttgarter Zeitung (9.9.03)
Mit nahezu gleich lautenden Argumenten und Zahlenangaben versuchen derzeit Ministerpräsident Teufel und der Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Peter Christ, die Zeitungsleser vom Unsinn der Windenergienutzung zu überzeugen.
Zufall oder konzertierte Aktion ?
Man kann Windkraftanlagen unschön oder nicht zweckmäßig finden. Man kann auch in der Argumentation von Franz Alt pro Windenergie - auf dessen Brief Ministerpräsident Teufel antwortet - manches für übertrieben oder wenig belastbar halten. Fahrlässig ist es jedoch, wenn der Ministerpräsident eines Landes, das wesentlich von der Herstellung und dem Verkauf anspruchsvoller Technologien lebt, eine moderne Energietechnologie systematisch schlecht redet, ohne gesicherte, objektive Fakten zu diesem Thema in sein Urteil einzubeziehen.
Ohne Zweifel sind Windkraftanlagen markante unübersehbare Gebilde, die je nach Einstellung des Betrachters unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Bevor man sie als Belastung für unsere Landschaft abtut, sollte man bedenken, dass man sich gedanklich neben jede Windkraftanlage einen etwa gleich hohen Berg von Kohle vorstellen sollte, dessen Verbrennung diese Anlage während ihrer Nutzungsdauer vermeidet und damit auch die damit verknüpften Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid und anderer Schadstoffe.
Mehrfache Anlagendichte in vergleichbaren Bundesländern
Zum andern sollte man wissen, dass vergleichbare Binnenländer mit ähnlichen Windverhältnissen wie Rheinland-Pfalz, NRW oder Sachsen-Anhalt bereits heute, bezogen auf ihre Fläche, die 6- bis 12-fache Anlagendichte haben. Sicher kann diesen Ländern nicht unterstellt werden, dass sie ihre zweifelsohne ebenfalls schützenswerten Kultur- und Erholungslandschaften der Windenergie zuliebe opfern
Die Sensibilität, die Ministerpräsident Teufel bei der Windenergie hinsichtlich Landschaftsschutz an den Tag legt, vermisst der LNV bei anderen Eingriffen in die Landschaft, sei es beim Straßenbau, bei Gewerbeansiedlungen oder bei Großsporthallen mitten im Schwarzwald.
Standorte für Windkraftanlagen werden heute nach sehr strengen Kriterien ausgewählt und das ist gut so, da gerade die Nutzung erneuerbarer Energien strengen Auflagen des Natur- und Umweltschutzes genügen soll und es auch kann - im Gegensatz zur Nutzung fossiler und nuklearer Energietechniken. Unter diesen engen Randbedingungen gibt es in Baden-Württemberg reichlich Platz für mindestens weitere 500 moderne Anlagen an vielleicht 150 bis 200 Standorten. Ihr möglicher Beitrag zur Stromversorgung ist etwa so groß wie der noch zusätzlich erschließbare Beitrag der bereits stark genutzten Wasserkraft und damit ebenso unverzichtbar. Will man glaubwürdig am Ziel der Verdopplung für erneuerbare Energien bis 2010 festhalten, kommt man an einem weiteren angemessenen Ausbau der Windkraft auch in Baden-Württemberg nicht vorbei. Das müsste auch Ministerpräsident Teufel wissen, wenn er nur die Gutachten zur Kenntnis nehmen würde, die für die Landesregierung dazu in den letzten Jahren erstellt wurden.
Ungleichbehandlung
Auch der etwas großzügige Umgang mit anderen Fakten zeugt von einer gewissen Vorfestlegung hinsichtlich der Windenergie. Die schwankende Stromlieferung des Windes lässt sich ohne größere technische Probleme in unsere Stromnetze einbinden. Regelkraftwerke gibt es seit es Stromnetze gibt, da auch der Stromverbrauch in ähnlicher Weise unvorhersehbar und schwankend ist. Niemand hat bisher diese "Regelkosten" oder diejenigen von Reservekraftwerken - die auch für den Fall von Pannen bei heutigen Großkraftwerken vorgehalten werden müssen - einer bestimmten Energieart zugeschlagen. Auch die Anpassung von Stromnetzen - früher z.B. an die großen Leistungen der Kernkraftwerke - wurde nicht spezifisch dieser Energieart angelastet. Sie werden als Serviceleistung des Netzbetreibers behandelt und auf die allgemeinen Stromkosten umgelegt. Bei der Windkraft soll dies nun plötzlich nicht mehr gelten. Richtig ist, dass die jetzigen Altkraftwerke, insbesondere Grundlastkraftwerke, auf diese neuen Erfordernisse nicht eingerichtet sind und deshalb - wenn es bei dieser "gestrigen" Struktur bliebe - zukünftig kostspielige Unverträglichkeiten bei hohen Windkraftanteilen auftreten würden. Deshalb wird bei anstehenden Neuinvestitionen in Kraftwerke darauf zu achten sein, dass besser geeignete Anlagen, z.B. erdgasbefeuerte, hocheffiziente und schnell regelbare Kraftwerke der jetzigen Kraftwerksstruktur hinzugefügt werden.
Neue Grundlastkraftwerke, speziell Kernkraftwerke werden dafür allerdings nicht benötigt. In einer so angepassten und optimierten Versorgungsstruktur vermindern die der Windenergie zurechenbaren "Mehraufwendungen" für verstärkte Reserve und Regelung ihren Ertrag an umweltfreundlichen, emissionsfreien Strom nur um wenige Prozente und nicht um 20% wie die Zahlenangaben im Brief des Ministerpräsidenten unterstellen. Und unter den Rahmenbedingungen des liberalisierten Strommarktes geht die Entwicklung genau in diese Richtung.
Erzeugungspreise gleichen sich an Strom aus Windenergie ist tatsächlich noch teurer als Strom aus herkömmlichen Energien. Sie liefert heute im Binnenland Strom zu etwa 9 Cent je kWh und wird ihn in 10 Jahren zu etwa 5 bis 6 Cent bereitstellen können, wohlgemerkt emissionsfreien und unbegrenzt verfügbaren Strom. Denn als neue Technologie stecken auch in der Windenergie noch beträchtliche Kostensenkungspotenziale, die gerade durch die derzeitige Förderung mobilisiert werden. In 10 Jahren kommerzieller Windenergienutzung sind die Stromkosten bereits um den Faktor Drei gesunken. Billigen Strom aus Altkraftwerken, der in der Tat derzeit noch mit 3 Cent je kWh gehandelt wird, wird es nicht mehr lange geben. Bereits jetzt steigen die Strompreise deutlich an. Strom aus neuen Kohle- oder Erdgaskraftwerken, die etwa ab 2005 benötigt werden, kostet dann bereits 5 - 6 Cent je kWh, je nachdem, welche Energiepreisanstiege man annimmt. Mit einem Aufschlag für die klimaschädlichen CO2-Emissionen von z.B. 20 EUR/t, wie ihn das EU-Emissionshandelssystem vorsieht, wird der Strom dann bereits 8 - 9 Cent je kWh kosten.
Es ist daher äußerst kurzsichtig und wenig zukunftsorientiert, auf der Basis unzulässiger Preisvergleiche - teuer gerechneten Windstrom gegenüber Strom aus heutigen Altkraftwerken - von der Nutzung der Windkraft abzuraten. Denn wer morgen auch noch erschwinglichen Strom haben will, muss heute in erneuerbare Energien investieren - sowohl in Windkraft als auch in Wasserkraft, Biomasse oder Sonnenenergie.
Für Rückfragen stehen Ihnen der Vorsitzende des LNV, Reiner Ehret
(Tel: 07 661/98 88 28, e-mail reiner.ehret(at)lnv-bw.de) und der Energiereferent des LNV, Dr. Joachim Nitsch (0711/6862483) zur Verfügung
Der Landesnaturschutzverband Baden-Württemberg e. V. (LNV) ist Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Baden-Württemberg. In ihm sind 33 Vereine mit etwa 400.000 Mitgliedern organisiert. Er ist nach § 29 des Bundesnaturschutzgesetzes (alte Fassung) anerkannter Naturschutzverband und vertritt nach § 51 Abs. 3 des Landesnaturschutzgesetzes die Natur- und Umweltschutzverbände des Landes.
[Beitrag vom: 25.09.2003 09:17 geändert durch: ande am: 25.09.2003 09:25] |
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